Samstag, 20. Mai 2017

Aufgespießt: Wie Grandhotels kommunizieren

Die Erfindung des Grandhotels


Wie schaffen es Hotellegenden wie Waldorf Astoria, Ritz Carlton oder Raffles, dass wir bereits glänzende Augen bekommen, wenn nur ihr Name fällt?



Hotellegenden sind unsterblich

Sie wurden ein Mythos, weil sie viel von sich reden machten. Stück für Stück baut sich Image organisch auf. Vorausgesetzt: Traum und Wirklichkeit stimmen in Anspruch und Aussage überein. Hotels agieren hier nicht anders als Wirtschaftsunternehmen. Traditionshäuser wussten das, sonst wären sie keine geworden. Auch kleine und neue Häuser schaffen das. Indem sie adoptieren, was die Großen tun. Von sich hören lassen, sich sichtbar machen. Professionelle Hotel-PR eben.

Das gilt im Grunde für alle. Große Namen wie Cipriani, De Crillon, Reids, Vierjahreszeiten, Adlon, Elephant Weimar, Oriental Bangkok, Chelsea Hotel haben es einen Tick leichter. Aber ein höheres Budget ist nicht wirklich kriegsentscheidend. Worum geht’s tatsächlich?

Geliebt, verehrt, aus der Ferne angehimmelt – Grandhotels spiegeln unerlöste Sehnsüchte. Sie leben von dem was sich in der Psyche der Gäste abspielt, wenn sie die Drehtür durchschreiten. Sie verkaufen Parallelexistenzen, bauen Filmkulissen für Applausdurstige und rollen Bühnen aus für Lebenshungrige, die ihren Appetit nur in der Ferne stillen können. Das mag den Reiz des Reisens ausmachen: Beim träumerischen „Ganz-außer-sich-sein“ ganz zu sich selbst finden. Übrigens: Das kann auch ein kleines oder mittelgroßes Haus leisten.

Hotel-Legenden machen vor Wonne frösteln


Als Kind wollte ich Literatin werden. Wie Marcel Proust, Tucholsky, Ödon von Horvath, Hemingway,  Klaus Mann, Sylvia Plath ganz oder zeitweise mein Leben ballastfrei in der intimen Höhle eines Hotelzimmers führen. "Einsam ohne allein zu sein", wie Zoe Jenny es einmal benannte. Während der drei Monate Residenz im Basler „Les Trois Rois“ beendete sie ihren Roman „Ein schnelles Leben“, eine kurzzeitig schwebende Existenz ohne bürgerlichen Boden. „Writers in Residence“ hat in der Schweiz eine neue Bestimmung erfahren. Im Hotel ändert sich das Zeitgefühl – ahnte bereits der Held im „Zauberberg“, Hans Castorp, die Geistgeburt Thomas Manns. Er kam auf drei Wochen und blieb sieben Jahre. Hätte ihn der Erste Weltkrieg nicht an die Front gerufen, wäre er heute noch da.

In einen Hotelpalast wie George V oder Palace Merano, New York Plaza, Claridge, Kulm Hotel St. Moritz oder Marmounia Marrakesch tritt man ein, und blitzschnell scheint die Attitüde des Ortes auch die eigene zu werden. Zumindest im Wunschdenken. Man adoptiert, was sich in Vorhangfalten und Betthimmeln über Jahrzehnte & Jahrhunderte wie unsichtbare Patina einnistete. Hotelgäste schlüpfen nicht selten in eine zweite Haut. Hochstapler und Hotelpage Felix Krull beschreibt es mit ironisch-selbstverzücktem Blick, Vicky Baum zeichnete so das Sittengemälde der Zwanziger Jahre.

Wie finden Gast & Hotel zueinander?


Preis-Schnäppchen sind nicht das Ei,  aus dem Faszination schlüpft. Ausgenommen ein exorbitant hoher Preis, der ein schwindeliges Lustgefühl erzeugt - vergleichbar dem Endzeit-Schauder dessen, der jäh vor einem Abgrund steht. J Was uns bewegt, auf „Buchen“ zu klicken, ist das innere Blitzlichtgewitter. Unser Unbewusstes macht diesen Job gerne.  

Was passiert mit uns „Menschen im Hotel“, wenn wir die Brokatdecke vom megabreiten Bett ziehen und ein exquisiter aus dem Satinkissen aufsteigender Rosenduft unsere Nasen kitzelt? Wenn der eigene Butler mit behandschuhten Fingern uns den seidenen Morgenmantel reicht und Goldperlen im türkisfarbigen Badewasser flimmern? Wenn wir uns die Filmdiva vergegenwärtigen, die von eben diesem Hotel im Cabrio aufbrach um sich flugs den Hals zu brechen? Wenn wir unter monströsen Kronleuchtern ein 7-gängiges Champagner-Menü verzehren, wie 120 Jahre vor uns ein europäischer Monarch kurz vor dem Exil? Warten wir im Restaurant der „Schatzalp“ nicht wie weiland Hans Castorp auf das Klirren der zugeschlagenen Glastür mit dem Madame Chauchat ihr Kommen ankündigt? Der Genius Loci wirkt bei allen – todsicher! 

Hotels können Leuchttürme sein - gute Hotel-PR verhilft dazu! 

Und dies nicht nur in Nobelherbergen. Jedes Hotel birgt Geschichten in seinem kultivierten Innern. Ein sorgfältig gebautes Image, das die Realität nicht scheuen muss, ist der Anfang. Es aufzubauen fällt allerdings angesichts der Hotelketten-Manie nicht leicht. Aber es gibt sie und zunehmend mehr, die Privat- und Individualhotels, Design- und Boutiquehotels, die ihren Ursprung aus dem Nukleus Familienhotel kaum noch zu erkennen geben.

Hotel-PR heute: Die Erotik von Story und Content nutzen


Warum nutzen Hotels dieses feine Gespinst aus neuronaler Verführbarkeit und Fernweh so betrüblich wenig für ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit? Warum erschöpfen sich PR-Themen so oft bei der saisonalen Spargelkarte, der Eröffnung der Skisaison oder der x-ten Kür des „Angestellten des Monats“? Bei Personalien, Zertifikaten und Auslastungszahlen. Ist es das, was Gäste zum Buchen verführt? Ehrenvolle Marginalien sind es, aber auch nicht mehr.

Dabei ist Hotellerie in einen schillernden Kokon aus Geschichte und Histörchen, lokalen Randnotizen, kulturellen und allzu-menschlichen Bezügen eingewoben, der genutzt werden will. Scheherazade betört ihren Sultan Nacht für Nacht mit einer neuen Serienfolge. Der listig eingesetzte Kliffhänger macht diesen süchtig auf das Ende. TV-tauglich! Bis der enthusiasmierte Despot auf dem Gipfel der Spannung aufgibt und seine Bezwingerin ehelicht. Eine vorzügliche Strategie, wie erfunden für die Öffentlichkeitsarbeit der Hotellerie. Gäste wollen becirct werden. Nichts weiter. Emotionaler Content ist die Pfauenfeder der Scheherazade.

Kommunikation für Hotels ist schwierig und einfach zugleich




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Bildnachweis:

Tags: Hotel-PR, Kommunikation Grandhotel, Story, Content

Sigrid Jo Gruner führt mit „MissWord!“ (www.missword.de) ein Redaktionsbüro für strategische Kommunikation mit den Schwerpunkten Redaktion, PR & Magazin, Pressearbeit, WebContent, eBook, Corporate Book. Schwerpunktthemen: Alles was gut schmeckt, schön aussieht, sinnvoll ist und glücklich macht. Food, Travel, LifeBalance, Modern Times.


Mittwoch, 17. Mai 2017

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Mittwochssuppe aus Radieschen, Radi, Rübe ..

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Mittwochssuppe aus Radieschen, Radi, Rübe ..: Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe! Ab April schieben sie ihre rundlich-knackigen Formen knallig pink in unser Sichtfeld. Wir l...

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Mittwochssuppe aus Radieschen, Radi, Rübe ..

Ist es die Form, die Farbe, die Verführung auf der Zunge? Mittwochssuppe aus Radieschen und Rübe. Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe! Ab April schieben sie ihre rundlich-knackigen Formen knallig pink in unser Sichtfeld. Wir l...

Mittwochssuppe aus Radieschen, Radi, Rübe ..

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe!



Ab April schieben sie ihre rundlich-knackigen Formen knallig pink in unser Sichtfeld. Wir lieben sie zu einem schäumenden Weißbier, fein geschnitten und gekräutert als Salat, als Mundproviant beim Wandern - die Radieschen sind einfach zu niedlich, um am Obststand einsam liegen gelassen zu werden. Sie lassen sich auch im Hausbeet oder Balkonkasten ziehen und frisch geerntet schmecken sie auch ohne Salz vorzüglich, scharf-süßlich im Abgang. Als Nachbarn im Hausgarten lieben sie grüne Bohnen, Kohl, Kopfsalat, Kresse, Möhren und Erbsen - weniger gut Freund sind sie mit Gurken und Melonen. Suppen, in denen Radieschen und ihre Verwandten Mairübchen und Rettich eine tragende Rolle spielen, sind bei uns weniger bekannt. Zu Unrecht - einen Versuch ist es allemal wert!

Frühlingssüppchen aus Radieschen & Rübe


Wir benötigen für 4 Portionen:

400-500 g frisch geerntete Radieschen und/oder Mairüben mit noch unversehrtem Grün, 1-2 Stangen zarte Lauchzwiebeln, 600 g mehlige junge Kartoffeln, 1 Bund frischen Oregano, 1L Gemüsebrühe,  frische Minzblätter, 100 g Schlagsahne, 1 Eigelb, Ghee (Butterschmalz), Salz, frischen Pfeffer, Spritzer Limone, Olivenöl.

Und so geht's:

1 Radieserl putzen, Mairübe schälen, Grün aufbewahren. Waschen und grob hacken. Ebenso das Grünzeug. Lauchzwiebeln in Ringe schneiden. Kartoffeln schälen, waschen, würfeln. 

2 Oregano in heißem Ghee andünsten. Kartoffeln kurz mitschmoren, 800 ml Gemüsebrühe aufgießen und alles weich kochen. 5 Minuten vor dem Garende das Gemüse zufügen, mit garen lassen. 

3 Suppe grob pürieren, Schlagsahne (wer's sämiger mag, mit einem verquirlten Eigelb) einrühren, salzen, pfeffern, Spritzer Limone, aufkochen. Mit Radieschenscheiben und Minzblättern bestreuen, mit fruchtigem Olivenöl beträufeln. 

Wunderbar dazu ist Oliven-Wurzelbrot mit krosser Kruste. 


Alles da: Kalium, Kalzium, Eisen und die Vitamine A, B1, B2 und C


Radieschen sind keine Europäer, in ihrem Heimatland China hielt man sie lange als Zierpflanzen, bevor man auf den pikanten Geschmack kam. Im 16. Jahrhundert wanderten sie auch bei uns ein und erfreuten durch das ihnen innewohnende Senföl nicht nur die Gaumen. Sie sind vollgepackte Depots aus Mineralien und Vitaminen, wirken antibakteriell und beruhigen bei Magen-Darm-Verstimmungen. In Tierversuchen wurde entdeckt, dass sie auch gegen Krebs vorbeugen können.

Ein weiterer Grund, zu Radieschen aus der Region zu greifen, ist der Frische-Aspekt und die Tatsache, dass regionales und saisonales Gemüse vor der Ernte voll ausreifen kann. Das erhöht die Geschmacksintensität und den Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen und dient der Ökobilanz. Gerade im Mai eignen sie sich vorzüglich kleingehackt im Verbund mit Pistazienöl, Zitrone, Minze und Schnittlauch als Dressing über frischem, lauwarmen Spargel oder als Brotbelag auf Frischkäse und veganem Omelett. 

Dann mal kräftig hineingebissen! 



Foto:
Stocksnap.io Jay Wennington


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Autorin, Journalistin & PR-Beraterin Sigrid Jo Gruner schreibt als MissWord! Webcontent, Magazin, Pressetext, Unternehmenspublikation, als Ghostwriterin Reden, Artikel, E-Books und Bücher. In Strategieworkshops entwickeln Unternehmen und selbstständige Freiberufler mit MissWord! stimmige Positionierungen und passgenaue Corporate Words. 

Sonntag, 7. Mai 2017

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsthema: Kommunikation zwischen Bits & Bots

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsthema: Kommunikation zwischen Bits & Bots: Kommunikation ist wie Buchstabensuppe .. sie braucht Salz! Haben Sie als Kind etwa auch Buchstabieren in der Suppe gelernt? Dabei s...

Sonntagsthema: Kommunikation zwischen Bits & Bots


Kommunikation ist wie Buchstabensuppe .. sie braucht Salz!


Haben Sie als Kind etwa auch Buchstabieren in der Suppe gelernt? Dabei sind Sie vor Stolz geplatzt und teilten diese Erfahrung anderen mit? Und wie kommunizieren Sie heute? 

Es war vor bereits 19 (!) Jahren, Weihnachtsabend in einem zauberhaften Thalasso-Resort an der Algarve, als ich zu einem befreundeten Kollegen sagte: "Findest du es nicht auch bedauerlich, dass unter Kommunikation heute primär Kommunikationstechnologie verstanden wird?" Gerade hatte man sich mit Ach und Krach an Handy und E-Mail gewöhnt. - Wir waren uns darin einig, jedoch nicht annähernd bewusst, dass dies erst der Anfang einer sich rasant entwickelnden "unendlichen Geschichte" war. 
Kreative Kommunikation lässt Ideen sprudeln

Damals führte ich eine kleine Agentur für Public Relations - mit respektablen Kunden - im zur Bundeshauptstadt aufstrebenden Berlin der Nachwendezeit. Unter meiner Firmierung "Gruner Kommunikation PR & PA" (PA = Public Affairs = Kommunikation für Institutionen, Administrationen, gesellschaftspolitische Themen) fand ich mich bei meinem Umzug ins spätere Regierungsviertel unversehens und ungewollt in den Gelben Seiten (ja, damals waren Branchenbücher noch hip!) - unter der Branchenrubrik "Telekommunikation" wieder.  - Ach so?? Na, det wüsst ick aber!

Auch in einer digitalisierten Kommunikation bleiben Sender und Empfänger (in der Regel) Menschen!


Und Menschen werden - anders als Roboter - primär von Gefühlen und Emotionen bestimmt. Ich beobachte mit Staunen, wie viele schreibende und beratende Kollegen sich in Fachartikeln ergehen und auch profilieren, die von SEO bis Siri und mehr die Klaviatur des Online Marketing, der Online Kommunikation und der Social Media u.a. bedienen. Das kann ich voll würdigen, wenngleich ich es dann und wann etwas blutleer finde. Ich gestehe scham-frei, dass ich die nützlichen digitalen Errungenschaften durchaus schätze, in meiner Kundenkommunikation aber immer noch (und zunehmend mehr) auf gute, erhellende, belebende, begeisternde Dialoge setze und ein Telefonat als Zeichen von Wertschätzung und Kooperationsbereitschaft erlebe. So entstehen authentische Webtexte, E-Books oder Pressemitteilungen, die wirklich ins Schwarze treffen. 

Und - jetzt gut aufgemerkt! - es macht mir selbst einfach mehr Freude!


Dass Auftraggeber ein wenig "mitarbeiten" müssen (sprich: sich in ein weitergehendes Analyse- und Konzeptionsgespräch einlassen), ist nicht flächendeckend verbreitet. Für mich ein Zeichen, dass analoge Kommunikation in ihrer Wertigkeit gesunken ist und viele digitale User der realen Gesprächskultur entwöhnt sind. Der gegenseitige Input und Impuls, wenn ein Projekt sich formt, die kreative Akrobatik, sich Bälle zuwerfen und mit Argumenten jonglieren, gemeinsam Inhalte kneten und Strategien zuspitzen - Ist das alles nicht das Salz in der Buchstaben - ääh.. Kommunikationssuppe? 


Das tut richtig gut!


Und doch gibt es sie noch, die Verfechter einer kommunikativen Kultur des Miteinanders. Erst kürzlich durfte ich ein wunderbar kreatives, entspannt-intensives und substanzielles Meeting erleben - viereinhalb Stunden, in denen wir gelacht, geklönt, gearbeitet, gebrütet, gescribbelt haben, in denen Ideen, Inhalte, Informationen nur so purzelten. Zu welchem Zweck? (Wird noch nicht verraten - coming soon) Dankeschön an Sparringspartner Thomas Wehrs! (Gesprächsexperte & Business Coach in Berlin).* 

* Tipps für kommunikative Highlights finden sich übrigens auf seinem Blog.


Tags: Kommunikation, digitalisierte Kommunikation, Public Relations, Gesprächskultur



Bildnachweis: 
Foto Meeting StockSnap_LGSE4QU7SW Rawpixel.com

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Autorin, Journalistin & PR-Beraterin Sigrid Jo Gruner schreibt als
 
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Sonntag, 16. April 2017

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsstory: Bericht einer Reise

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsstory: Bericht einer Reise: Reisen hat auch seine Tücken - auf dem Airport sollte man die Abflugtafel genau studieren  und nicht das Gate verwechseln. Es sei denn, ma...

Sonntagsstory: Bericht einer Reise

Reisen hat auch seine Tücken - auf dem Airport sollte man die Abflugtafel genau studieren  und nicht das Gate verwechseln. Es sei denn, man sucht das ultimative Abenteuer. In diesem Fall einfach ein Flugzeug besteigen und schauen was passiert. In Filmen gibt es den Typ Mensch, der den Taxifahrer anweist: Fahren Sie mich rasch zum Flughafen. Dort schaut er nach dem nächsten startklaren Flugzeug, dessen Propeller schon drehen und in das checkt er ein. Dann isser weg. Nach Madagaskar, Nairobi, Nowosibirsk, Kuala Lumpur oder Leipzig.  Oder er fragt erst gar nicht. - No risk no fun. 



Der Mond - mein unbekanntes Reiseziel - nur Mut, es kann nett werden! 


Bericht einer Reise


Längst ist mir die schwere, durch den Sog ausgefranste Eisschicht auf den Tragflächen aufgefallen. Atemlose Stille, gedimmtes Licht in der Kabine, nur die Leuchtschrift Exit knallt grasgrün. Plötzlich stemmt ein mächtiger Anschub meinen Rumpf in die Polster, meine Beine tanzen Foxtrott in der Luft, und das anschwellende Dröhnen der Triebwerke löchert mein Trommelfell. Hilfe, wo ist das Personal? Mit ihm sind auch die Passagiere verschwunden, einer nach dem anderen durch die Bordtoilette. Rasante Loopings schleudern uns aus der Sichtweite des Radars in die Böschungen der Milchstraße, das Cockpit - verwaist! Das Bordkino - blind und stumm.

Als beim Aufprall eine Luke aufspringt, gleite ich über die Notrutsche in ein dunkelviolettes höckeriges Kraterfeld, über dem Irrlichter und Feuerzungen flackern. Das ist nicht Mallorca!!


Aha, ein Empfangskomitee, ein grauer Greis in einem schleppenden Gewand, Flimmer im Bart. Um ihn herum strahlen tausend kleine silberne Kobolde ein blendendes Licht ab. Tolles Bild! Er spricht mich an, erst in Russisch, dann in einem amerikanischen Kehllaut, das habe er von den Touris gelernt. "Ich langweile mich immer so", sagt er in gedehntem Slang. (Ja gut, was kann ich dafür?) "Ab und zu hole ich mir mit der Fernsteuerung Gäste ins Haus." (Na bravo!)



Er winkt mich mit zwei dürren Fingern an einen Teetisch aus Granit. Aus zierlich klirrendem Geschirr gibt es Eistee und Kristalltorte, nicht übel eigentlich. Während wir so sitzen, referiert der grämliche Alte ausladend über die alberne Angewohnheit der Menschen Gedichte und Schlager zu schreiben, in dem der Mond eine tragende Rolle spielt, und ein Kobold fotografiert uns von allen Seiten mit einer Polaroid. Fotografiert zu werden hasse ich wie die Pest, aber der Alte bittet mich so, für‘s Archiv, wie er sagt. Na ja, will mal nicht so sein. Das grünliche Licht der Atmosphäre macht mich hässlich, fürchte ich. 


Ich warte auf einen günstigen Augenblick, um wieder abzuhauen und frage in eine Sendepause hinein: "Wie komme ich hier wieder weg?" Also - begeistert ist der Alte nicht, aber nach einigem Räuspern und Raunzen aus den behaarten Nasenlöchern gibt er seinen Kobolden Anweisung. Das glaubt mir keiner, denke ich, als ich ins Flugzeug klettere. Irrlichter schieben das Flugzeug an, das schnell in Fahrt kommt und überlassen es dann dem Autopiloten. Als es steil in die Atmosphäre sticht, geht unter mir gerade der Mond auf.



Mikrostory von Sigrid Jo Gruner
Foto: Stocksnap.io, Paul Itkin



Autorin, Journalistin & PR-Beraterin Sigrid Jo Gruner schreibt als 
MissWord! Webcontent, Magazin, Pressetext, Unternehmenspublikation, als Ghostwriterin Reden, Artikel und Bücher. In Strategieworkshops entwickeln Unternehmen und selbstständige Freiberufler mit MissWord! stimmige Positionierungen und passgenaue Corporate Words. 

Sonntag, 9. April 2017

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsthema: Billig oder effektiv? Von Scheuklap...

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsthema: Billig oder effektiv? Von Scheuklap...: Wirksame Texte. Wann ist es ratsam einen Spezialisten zu rufen? Texter, Textmacher, Textwerker und solche, die es gerne wären, gibt es i...

Sonntagsthema: Billig oder effektiv? Von Scheuklappen und anderen Wunderlichkeiten


Wirksame Texte. Warum es ratsam ist einen Spezialisten zu rufen.


Texter, Textmacher, Textwerker und solche, die es gerne wären oder meinen es zu sein, gibt es im Überfluss. Anders ist nicht zu erklären, dass so unklare und verblüffende Vorstellungen von der angemessenen Honorierung eines Textprofis existieren. Zu viele Wort-Amateure und Dilettanten verderben den Markt. Ein Phänomen in vielen Branchen.

Meine Waschmaschine leckt und die Spülmaschine heizt nicht mehr auf. Beides unschön. Was tun? Selbst Hand anlegen? Nöö. Meine handwerkliche Begabung tendiert gegen Null. Selbstmachen wäre teuer, weil umständlicher und das Ergebnis mehr als zweifelhaft. Also - lokale Google-Suche! Eine Frage des gesunden Menschenverstands.

Warum nehmen dann Selbstständige mit eigenem Business sich so oft selbst in die Pflicht, wenn Text-Arbeiten anstehen - Webcontent, Unternehmensflyer, Mailing, PR-Text, E-Book? Weil sie sparsam (oder geizig) sind, Spezialisten nicht über den Weg trauen, meinen, dass sie ihr Business am besten kennen würden oder aus einem gesunden Misstrauen gegenüber allem Fremden? :-) Anyway - das Ergebnis kann auf jeden Fall nur "sub-optimal" sein, wenn es nicht gleich ganz schief läuft.

Warum ist das so, liebe Selbst-Schreiber?


Ihr seht nur die Bäume, nicht den Wald! Vielleicht ist es Euch nicht bewusst: Die Scheuklappen der geistigen und kreativen Inzucht verstellen Euren Blick. Der Nicht-Profi schreibt nur für sich und von seiner Warte aus. Er geht einem gewaltigen Nichtverständnis auf den Leim: Denn Texte, die für den Markt verwendet werden sollen, müssen zwangsläufig markt- und kundenorientiert sein. Das berühmte Beispiel: Der Wurm muss .. wem schmecken?

Das bedeutet für den Verfasser, dass das dringendste Problem der Zielgruppe, die wichtigsten Bedürfnisse und Erwartungen, der reale und emotionale Nutzen - übersetzt in konkreten Lösungen - im Mittelpunkt stehen müssen. Und nicht die - wie großartig auch immer gearteten - Vorzüge des Unternehmens. Und - Schreiben ist mehr als Sätze zusammenfügen!

Keine neue Erkenntnis, aber immer wieder erwähnenswert!


Amateur-Text kommt teuer. Denn irgendwann müssen die schlappen Eigen-Produkte eben doch von einem Fachmann/einer Fachfrau grundlegend und umfassend überarbeitet, neu gedacht und strukturiert werden (Ausnahmen will ich gar nicht ausschließen, wir sprechen hier von der Regel). Schlussendlich muss eine Strategie (zumindest eine Taktik) her, und zielgruppenorientiert-spritzig neu getextet werden, was finanziellen Mehraufwand bedeutet.

Was aber noch mehr zu Buche schlägt ist, dass Texte der Marke Eigenbau nicht wirken. Und der Markt kann grausam sein. Ähnlich wie die Natur. (Ääh - das ist dann ein anderes Thema)

Vor dem Schreiben kommt das Denken.


Natürlich gibt es (unprofessionelle) Textmacher, die einfach drauflos schreiben, weil sie sich nicht genügend Zeit nehmen können oder wollen, um Strategie und Konzept zu entwickeln oder weil sie es selbst nicht besser wissen: Der Etat ist zu knapp, der Stundensatz zu niedrig, der Intellekt zu dürftig, keine Erfahrung vorhanden. Copy & Paste scheint dann die Rettung. Ähnlich deprimierend sind die Ergebnisse. Sie sind für die Katz oder die Maus, wie man will.

Ähnlich desaströs kann es ausgehen, wenn der Klient dem Textwerker und dessen Spürnase nicht traut respektive ihm nicht zutraut, sich seine eigenen Gedanken machen zu können. Ihm (eigenverfasste Textvorlagen oder) im Internet geraubte Inhalte als Copy-&-Paste-Vorlagen präsentiert, die dann ja "nur noch nett umgeschrieben" werden sollen. Das ginge doch auch fix, oder? (Soll heißen: billig, bestenfalls preiswert) Das ist kein Mundraub, liebe Selbst-Schreiber! Das nennt sich Urheberrechtsverletzung.

Gehe ich denn hin und sage dem Klempner, der meine Waschmaschine retten soll: "Guter Mann, ich glaube, es liegt an der 3. Windung links hinten in der Trommel. Hier ist der Einsatz eines Flügelflunsches angebracht." (Keine Ahnung, was ein Flügelflunsch bewirkt) Oder ähnlichen Quark. Nein, tue ich nicht! Schon aus Respekt vor seinem Handwerk. 

Das Gegenteil von "billig" ist nicht zwangsläufig "kostenintensiv"

Natürlich ist es mehr als nachvollziehbar, dass Klienten bei der Erstellung von größeren Textstücken wie Website, Imagebroschüre, E-Book u.a. die Kosten im Blick halten wollen. Ihren Preis wert sind Texte, die wirken und gefallen. Dann ist es fair, mit dem Kreativ-Dienstleister die Relation zwischen Bedarf und Etat abzustimmen. Eine Frage der Verhältnismäßigkeit und Ausgewogenheit. Es gibt immer mehrere Wege, aufeinander zu zugehen und zueinander zu kommen. Reden hilft.

Also, lasst die Textwerkerin einfach ihren Job gut machen, seid dankbar für ihren unabhängig-kritischen Blick, gesprächsbereit und offen in der Strategie- und Konzeptionsphase (denn hier liegt eure Chance, alles was ihr relevant findet, einzubringen), entspannt euch, weil ein Profi euch entlastet - und freut euch auf wirksame Ergebnisse.

Entgangene Markterfolge wegen unzureichender Marktpräsentation können weh tun - daher besser gleich zum Profi, auch wenn es ein paar Euro mehr kostet.



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Bildnachweis: Stocksnap.io
Hund: E7TMJC760- Nico Beard
Wasser: NEJP8ZW18V-2 George Becker



Tags: Text, wirksame Texte, Textmacher, MissWord!, Text-Profi, Amateur Text


Autorin, Journalistin & PR-Beraterin Sigrid Jo Gruner schreibt als MissWord! Webcontent, Magazin, Pressetext, Unternehmenspublikation, als Ghostwriterin Reden, Artikel und Bücher. In Strategieworkshops entwickeln Unternehmen und selbstständige Freiberufler mit MissWord! stimmige Positionierungen und passgenaue Corporate Words.