Sonntag, 19. November 2017

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Sonntagssuppen: Zimtzicke? Nöö. Apfelzimtsuppe mit Mandelcrumble und vorher was Scharfes!

Heute ist Sonntag, heute löffeln wir Suppen!


Süßes oder Scharfes? Beides hübsch nacheinander. Advent und Weihnachten nähern sich mit Riesenschritten, das Wetter wird ungemütlich, die Seele hungert nach Licht, der Bauch nach Wärmendem - beinahe die schönste Zeit, um den Suppentopf zum Brodeln und unser Blut zum Aufwallen zu bringen. Gerade die Wintergemüse geben uns die schönsten Rezepte vor, wie immer einfach, schnell hergestellt und mit einem Schuss Raffinesse. 

Heute haben Sie die Wahl zwischen einer feurigen, herzhaften und einer fruchtig-zimtigen Suppe. Vielleicht beides? Das orientalische Zimtflavour verbinden wir stark mit Winter, Weihnachtsplätzchen, Glühwein und Lebkuchen. Es hat seine guten Gründe, warum winterliche Rezepte bevorzugt auf Ingredienzien zurückgreifen, die ursprünglich aus dem Orient stammen. Was wären wir ohne Pfeffer, Sternanis, Nelken, Zimtstange, Vanille, Kardamom, Ingwer, Mandel-, Walnuss-, Haselnuss- und Rosenöl, Safran, Nusskern, Pistazien, Pinienkerne und Kokosraspeln, Kakao und Tonkabohne, Orangenöl und Zitrone. Sie wärmen, heizen unser Inneres auf, beleben alle Sinne und sorgen für Momente der Glückseligkeit.





Apfelzimtsuppe mit Mandelcrumble

Äpfel, Calvados und Zimt - eine französisch-indische Vermählung






Wir brauchen:

4 geschmackvolle, reife und mürbe Äpfel, geschält und gewürfelt. 0,75 L Apfelwein oder Cidre, Butter, 150 g Rohrohrzucker, Prise Salz, 2 TL Bio-Zimt, Calvados, Zitronensaft, 2 EL süße, fein gehackte oder geriebene Mandeln, 2 Tropfen Zimtöl (alternativ: Zimtstangen mitgaren), Teigstücke aus Hefeschnecken, Butterhörnchen, weichen süßen Brötchen oder Brioche.

Und so geht's:

1 Butter in einem beschichteten Topf erhitzen, Apfelwürfel hineingeben, aufwallen und mit Apfelwein/Cidre ablöschen.

2 Zucker nach Gusto und Zimtpulver zufügen, aufkochen. Ca. 20-25 Minuten weichkochen. Durch ein Sieb passieren. Auskühlen lassen.

3 Abschmecken mit Zitronensaft, Calvados, Zimtöl (oder die Zimtstangen herausfischen), Prise Salz.

4 Teigbrösel mit Mandeln und Rohrzucker in Butter hellbraun rösten. Suppe in vorgewärmte Tassen füllen und mit dem Mandelcrumble und Zimt bestreuen.

Originalrezept in: "Die Wienerin"


Als Gegenspielerin empfiehlt sich eine Rosenkohlsuppe, die gar nicht so brav ist, wie Kohl immer gesehen wird. Sie hat es in sich: Knoblauch, Schalotten, Chili, Senfpulver und Paprika, und wenn Sie mögen - auch eine diabolisch gewürzte Salami. Allerdings schmeckt die Suppe auch in der vegetarischen Variante mit gerösteten Basilikumblättern, Paprikaringen, Pinienkernen oder Tofuwürfeln enorm gut. 

Ein Stück luftgetrocknete Salami sollte man immer im Haus haben, mit einer Oliven-Zimt-Tapenade und frisch geröstetem Weißbrot ist das immer eine feine Sache.

Und die geht so:

1 Vorbereitung: Je zwei Zweige Thymian und Rosmarin abzupfen. 150 g getrocknete Feigen und 800 g Oliven klein hacken. 1 Knoblauchzehe, 75 g Walnüsse und Kräuternadeln fein hacken.

2 Alles gut mit einander verrühren. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Zimt, Balsamico. Olivenöl angießen. 

3 Hält sich in gut gespülten Schraubgläsern kühl und trocken circa zwei bis drei Wochen


Luftgetrocknete Salami gehört in jede Vorratskammer



Rosenkohlcrème mit dem Feuer Spaniens


Kohl ist King in Herbst und Winter. Die kleinen zarten Rosenköhlchen kullern gerne in unsere Töpfe, geben viel Eisen und Mineralstoffe ab und betören - frisch geerntet - mit einem zart-kohligen, pikanten, grünen Aroma.  


Wir brauchen:

1 kg Rosenkohl, 200 g spanische luftgetrocknete Chorizo-Wurst oder Paprikasalami in feinen Scheiben oder Würfeln (alternativ frische Basilikumblätter, rote und grüne Chilischote, Pinienkerne oder Tofuwürfel), frische Rosmarinnadeln, 3-4 rote Mini-Paprika, 2-3 EL Haselnussöl, 3 EL Butter, 2-3 gehackte Schalotten, 2 gehackte Knoblauchzehen, Paprikapulver scharf, Senfpulver, Salz und Pfeffer, Hühnerbrühe, 1/2 L Sahne.

Und so geht's:

1 Die Rosenkohl-Strünke stutzen, die äußeren Blätter entfernen, Köpfe halbieren und unter fließendem Wasser waschen.Vorbereitete Schalotten und Knoblauch hacken, Mini-Paprikas in Ringe schneiden, die Wurst entweder in feinste Scheiben schneiden oder klein würfeln. 

2 Rosenkohl in erhitztem Öl 3 Minuten braten. Butter, Schalotten, Knoblauch, Paprika- und Senfpulver zufügen, 1 Minute mitschmoren. Salz und Pfeffer. Hühnerbrühe angießen und das Gemüse 10 Minuten weich köcheln lassen.

3 Chorizo-Würfel und/oder Scheiben sowie die Minipaprikaringe moderat 3 Minuten anbraten. Aus der Pfanne nehmen, auf Küchenpapier entfetten.

4 Suppentopf vom Herd ziehen, Sahne einrühren, aufpürieren und abschmecken. Die frühlingsgrüne Suppe mit Wurstwürfeln, ein paar Tropfen Balsamico und einen Rosmarinblättern bestreuen. Wer mag, reicht Zitronenspalten dazu. 

5 Bei der rein vegetarischen Variante verzichten wir auf die Salami und ersetzen sie kongenial mit gerösteten Basilikum- oder Salbeiblättern, Pinienkernen, Chiliringen oder feinen Tofuwürfeln. Ausprobieren: Einen aparten Gegenpol zur Schärfe der Suppe bilden saftige Granatapfelkerne.


Nach einem Originalrezept auf www.springlane.de



Wintergewürze tun uns gut!


Zimt oder Kaneel spendet in Ostindien und Sri Lanka die Rinde des Ceylon-Zimtbaums. Es tut nicht nur Desserts, Plätzchen und Punsch gut, sondern gibt auch deftigem Bratgut wie der Weihnachtsgans eine exotische Note. Die aparten Nelken sind auf den indonesischen Molukken zuhause. Ihr intensiver, anhaltender Geschmack ist den ätherischen Ölen der Blüte zu verdanken. Mit den getrockneten Knospen peppt man Rotkohl und Weihnachtsgebäck auf. 

Kardamom ist mit dem Ingwer verwandt, ein scharfer Kerl, der in sich Currys wiederfindet und im alten Rom als Heil- und Würzpflanze gehandelt wurde. Die schmeichelnde Vanille ist eine echte Exotin, die Blütenkapseln tropischer Orchideenarten machen sie so sinnlich. Vanillekipferl, Vanilleeis, Vanillepudding sind die Klassiker, aber ausprobieren sollten Sie die kleine Verführerin auch in Kombination mit Meeresfrüchten wie Hummer, Jakobsmuscheln oder Scampis, mit Steinbutt oder Bio-Huhn. Das lakritzig-pfefferige Sternanis wächst auf Magnolienbäumen in China und Südostasien heran. Schmorgerichte, Marmeladen, Tee und Glühwein stehen auf Anis. 

Der Pfefferhandel des Mittelalters läutete den späteren Kapitalismus ein. Wer mit Pfeffer handelte, hatte ausgesorgt. In allen Farben, Schärfen und Spielarten genießen wir ihn heute als alltägliche Würze des Lebens und müssen dafür nicht einmal ein "Pfeffersack" sein. Curry, Kurkuma und Senfpulver sind natürlich nicht nur im Winter appetitanregend, doch ihr inneres Feuer prickelt jetzt besonders gut auf der Zunge.


Wintergewürze - Die Farbe macht's!




Tags: Rosenkohl, Rosenkohlcréme, Apfel Zimt Suppe, Wintergewürze, Chorizo, Pfeffer, Vanille, Kardamom, luftgetrocknete Salami, Calvados, Weihnachtsplätzchen




Bildnachweise:
Fotos Pixabay
Salami: Couleur
Zimt: annatogna
Gewürze: Stocksnap.io




MissWord! Wort. Text. Kommunikation. Publikation.






Wort steuert!












Sigrid Jo Gruner  unterstützt als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen und Selbstständige bei ihrer Positionierung und Unternehmenskommunikation. Schwerpunkte: PR- und Strategische Beratung, Personal Branding, Redaktion, Buchcoaching. Produkte: Premiumtext, Webkonzept und Content, PR- und Werbetext, Publikation, E-Book, Sachbuch & Corporate Book. 24 Jahre Selbstständigkeit, 30 Jahre Berufserfahrung.

Schwerpunktthemen: Alles was gut schmeckt, schön aussieht, sinnvoll ist & glücklich macht. Gesellschaftspolitische und Zeitthemen, komplexes B2B, Food & Kulinarik, LifeBalance, Branding, Persönlichkeitsentwicklung, Businessthemen.

Sonntag, 5. November 2017

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsstory: Das erste Jahr

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsstory: Das erste Jahr: Das erste Jahr Novelle Das erste Jahr seines Exils war hart. Eine endlose Kette von Demütigungen. Aber hatte er eine Alter...

Sonntagsstory: Das erste Jahr


Das erste Jahr


Novelle


Das erste Jahr seines Exils war hart. Eine endlose Kette von Demütigungen. Aber hatte er eine Alternative? Schon bevor Diego zum Zoologen-Kongress nach Pansylvanien geschickt wurde, hatte es in seiner transsylvanischen Heimat irritierende Anzeichen gegeben. Hellhörige Menschen hörten die Zeitungen warnend rascheln. Es war Sommer und in den Zoos drängte es sich. Besonders die Nashörner hatten sich in den letzten Jahren auffallend vermehrt und seit mehr als 20 Jahren gab es erstmals einen Geburtenüberschuss. Die Regierung Transsylvaniens musste ein Gesetz verabschieden, in dem der Bau neuer Tierhäuser zu Ungunsten des Strassen- und Verkehrsausbaus beschlossen wurde, was für Murren sorgte. 



Als Diego seine Dienstreise antrat, war die Spannung unerträglich geworden. Täglich überboten sich die transsylvanischen Radiosender in ihren Meldungen über Unruhen in den Zoos der Hauptstadt Saudad, ja sogar Massendemos der Nashörner, die sich in ihren Behausungen zusammengerottet hatten. Sie hätten zwar keinen besonders bedrohlichen Eindruck gemacht, hinterliessen aber doch eine starke Wirkung aufs Volk.

Kaum war Diego in Pansylvanien angekommen, liess eine Nachricht den Kongress noch vor der Eröffnung platzen: Die transsylvanischen Nashörner hatten die Gunst der Nacht genutzt, um den Zoo zu verlassen und in geordneten Reihen zum Regierungspalast zu marschieren. In ihren Tierhäusern hinterliessen sie niedergetrampeltes Gras, zerfetzte Heuballen, Dung und Kot, eingedrückte Metallgitter. Noch bevor die Miliz eingreifen konnte, war die Regierung gestürzt, der Palast und der Radiosender in Hand der hornnasigen, gepanzerten und schwerhufigen Dickhäuter unter der Führung eines brandigen Nashornbullen, eines alten Kämpfers und Haudegens, der schon am Abend übers Radio an das Volk sprach. Die alte Regierung war längst ausser Landes. Mistgeruch, Schnauben und das Lawinengepolter der Hufe lagen schwer über der Hauptstadt Saudad, die durch den endlosen Zug weiterer Nashörner aus den verstreuten Zoos des Landes und das durch ihn verursachte Verkehrschaos in seiner Aktivität vollends gelähmt war.

Eines der ersten Dekrete, die der Anführerbulle erliess, war neben der allgemeinen Ausgangssperre die Zwangsisolationshaft aller Männer über 25 Jahren und 1,80 Körpergrösse in die nun frei gewordenen Nashornzwinger. Männer, die sich diesem Schicksal durch Flucht entziehen wollten und gefasst wurden, erschoss man sofort standesrechtlich. Die Waffenbestände der Nashornjunta waren erheblich, man rechnete mit dem Schlimmsten. 

Diego gehörte zur verfolgten Zielgruppe, eine Rückkehr nach Transsylvanien verbot sich. In den darauffolgenden Monaten musste er beobachten, wie die Anrainerstaaten mit der Nashornjunta Allianzen schlossen und das Regime anerkannten. Diego hatte sich mittlerweile eine neue Identität zugelegt, er war bei der staatlichen pansylvanischen Müllsammlung untergekommen, hatte die Tochter eines Kollegen geheiratet, was ihm die halbe Staatsbürgerschaft eintrug und vor Auslieferung, nicht aber vor Feinseligkeiten schützte. Ein Leben in ständiger Vorsicht und Kontrolle, er spürte die prüfenden Blicke der Anderen auf ihm lasten. Seine Frau begann nach anfänglicher Verliebtheit eine Affäre mit einem Schweinehändler, was er ihr aus Angst vor Scheidung nicht wehren konnte..

Die Arbeit in den Müllwerken war schwer und unappetitlich, über lange Fliessbänder gebeugt, sah Diego die Abfälle der Stadt an sich vorbeiziehen, 12 Stunden täglich war die Norm. Weil die Beleuchtung in den Hallen trübe war, mussten sich die Arbeiter weit über die unablässig rollenden Bänder senken, ja fast auf diese hinaufkriechen, um die Ausscheidungen des pansylvanische Alltags zu sortieren. Die belasteten Rückgrate und Gelenke schienen am Abend schier zu bersten. Dann versuchte sich Diego in seiner Hütte aufzurichten, das niedrige Dach, unter dem er anfangs kaum aufrecht stehen konnte, hatte sich immer weiter von ihm entfernt. Er vergass sich zu fragen, was das bedeuten könnte, denn wenn er am Abend das bescheidene Mahl verzehrte, das ihm seine Frau gerichtete hatte, bevor sie zu ihrem Liebhaber verschwand, war er frei von jeglichem Bedürfnis als in einen schweren Schlaf zu fallen. Er vergass es einfach, wie er das Rasieren vergass oder zum Himmel aufzublicken. Seine Augen waren auf die Erde gerichtet, sein Rücken nahm eine ständige 90-Grad-Krümmung ein, die Hände baumelten kurz über dem Boden. Seine Ebene war die Erde, die Menschen, mit denen er umgeben war, sah er nur mehr bis zur Taille, niemals in ihre Gesichter. Aber auch das wurde ihm zur ständigen Gewohnheit. Ja, er begann zu zweifeln, ob oberhalb dessen überhaupt noch etwas weiteres vorhanden war.

Die Nachrichten aus seinem Heimatland tröpfelten nur noch, um endlich zu versiegen. Das letzte, was er hörte, war die Stimme eines (vermutlich kleinwüchsigen) Reporters im staatlichen transsylvanischen Fernsehen, der am ersten Jahrestag der Machtübernahme im Ton eines respektvollen Hofberichterstatters von den erstaunlichen gesellschaftlichen und ökonomischen Fortschritten im Lande berichtete, was in Diego starke Gefühle von Widerwillen und Hass hervorrief, womit er es aber auch bewenden liess.

Innerhalb eines Jahres war Diego auf die Grösse von 1,20 Meter geschrumpft. Keiner teilte ihm mit, dass er mit diesem Körpermass nun ohne Probleme in sein Heimatland zurückkehren könnte, denn er gehörte jetzt nicht mehr zu den Verfolgten des transsylvanischen Staates. Er selbst war von einer solchen Wahrnehmung weit entfernt, hätte dieses Ansinnen auch entrüstet und mit Abscheu von sich gewiesen. 



Es war auch am Morgen des ersten Jahrestags seines Exils, dass er entdeckte, dass sich die Haut seines Körpers seltsam verdickt hatte, eine Ausbuchtung auf seiner Stirn wuchs und schlappe Hautlappen sich in mehreren Schichten und Runzeln auf seinen Gliedern ablagerten. Muskelgewebe und Fleisch hatten sich vervielfältigt und verliehen ihm einen schwankenden und unförmigen Gang. Mit Mühe erledigte er seine Arbeit, von seiner Frau nun endgültig verlassen, da der Geschlechtsakt aus technischen Gründen, aber auch aus starker gegenseitiger Abneigung, zu einem hoffnungslosen Unterfangen geworden war.


Der tägliche Lebenskampf nahm ihm die Kraft, die Dinge ändern zu wollen. So blickte er auf sein früheres Leben zurück wie auf einen fernen Traum, den er zwar erlebt hatte, der aber auf ihn ähnlich irreal wirkte wie die Zukunft, die er nicht erwartete. Er verspürte weder Neigung zu bleiben noch zu gehen, indifferent erlebte er sein Dasein wie ein Nashorn in einem schmalen Geviert aus Strohballen und Dung, die Beine tief im brackigen Wasser, regungslos, unbeteiligt, nur ab und zu mit dem Schwanz eine lästige Stechmücke vertreibend.

Als er eines Morgens durch die Stadt trabte, um sich zu seiner Arbeitsstelle zu bewegen, wurde er vom staatlichen Tierfänger eingefangen, was ein Leichtes war, und in den staatlichen Zoo verschleppt, in dem ein Jahr zuvor der Kongress hätte tagen sollen. 

Dort richtete er sich beinahe gemütlich ein. Wenn er nachts nicht schlafen konnte, entwickelte er zwar umsichtige Ausbruchspläne, die er am Morgen stets zugunsten eines üppigen Frühstücks verwarf. Nur wenn der Vollmond seine Zelle aufblendete und von Ferne das Geschnatter der Flamingos zu hören war, legte er den Kopf weit in den Nacken und versuchte in den Himmel zu schauen, der sich über ihm auftat wie ein tiefschwarzes bestrahltes Meer, in dem er schwamm. Nur einen Zipfel erhaschte er des weiten Gewölbes. Aber das Herz tat ihm weh, vielleicht weil er einsam war, vielleicht weil ihn schwere alte Erinnerungen heimsuchten, die er niemandem anvertrauen konnte. So wurde er zum Sonderling unter den Insassen des Zoos, mit dem man sich nicht behelligen wollte.

Bevor man ihn ganz vergass, beschloss die Zooleitung, ihn an die Militärjunta im Nachbarland zu verschenken als Geste der Solidarität, was in diesem Fall mehr einem Unterwerfungsakt gleichkam. Diego überquerte die Grenzen zu seinem Heimatland, ohne es zu ahnen. Aber als der Transport nach 30 Stunden ohne Wasser und Futter im Zoo der Hauptstadt Saudad ankam, fanden die Wärter nur noch einen übel riechenden Kadaver vor.

Natürlich hätte man sagen können, dass die drückende Hitze und die qualvolle Enge das Ihre getan hatten. Aber es war wohl eher so, dass Diego den Machthabern zuhause bis zuletzt die Reverenz verweigern wollte, ein Dickhäuter mit Charakter, ein Charakter mit einer sehr dünnen Haut.


Sigrid Jo Gruner

erschienen in der Anthologie: Deutschland in 30 Jahren, 2001

Keywords: Nashorn, Militär-Junta

Bildnachweis:
Stocksnap.io Asche Sitoula (Nashorn)
Stocksnap.io ISO Republic (Fort)




MissWord! DasAlter Ego-

Sigrid Jo Gruner  unterstützt als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen und Selbstständige bei ihrer Positionierung und Unternehmenskommunikation. Schwerpunkte: Strategische Beratung, Personal Branding, Konzeption & Redaktion, PR- & Magazintext, Web-Content, E-Book, Sachbuch & Corporate Book. Und 24-jährige Erfahrung.



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Sonntag, 29. Oktober 2017

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagssuppe: Rote Bete mit Haselnüssen

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Sonntagssuppe: Rote Bete mit Haselnüssen

Heute ist Sonntag, heute löffeln wir Suppe! 



Rote Bete - die purpurrot-violette Verlockung des Herbstes
Sie ist vegan, wunderschön rot und samtig und ganz dem Herbstgeschmack angepasst. Der Markt quillt über mit Herbstgenüssen - Wurzelgemüse und Kohl, Maronen, Pilze, Nüsse,  Datteln und Kräuter haben Saison und bereits ihre erdigen, satten Farben kitzeln den Gaumen mit Vorfreude. Rote Bete kennt der Normal-Essende meist sauer eingelegt als Beilage zu Hering, Krenfleisch oder im Labskaus. Wirklich ein Jammer, denn das frivole kleine rote Ding kann viel mehr als säuerlich vor sich hin gären.

Und ein Ausbund an Gesundheit ist es obendrein. Vor allem, wenn die in vielen Rottönen auftretende Knolle als vegane Rohkost daher kommt wie unsere heutige Suppe. Ein schöner Auftakt für ein sonntägliches Abendessen oder als Farbtupfer auf einem Brunchbüffet. Und darüber hinaus: Fixer geht's nicht!

Die Rote mit dem gewissen Extra *


Wir benötigen (für vier Portionen):

Zwei mittelgroße Rote-Bete-Knollen, zwei, drei von den zartesten Blättern, beides getrennt klein gehackt, Saft und Abrieb einer Bio-Orange, Spritzer Limone oder Grapefruit, 3 Tassen Haselnussmilch, Knoblauchzehe, Salz, Prise Kreuzkümmel und Cayennepfeffer, 1 Knoblauchzehe, 1,2 Tropfen Dattelsirup

Zur Deko: Koriander oder Petersilie, Kokos-Soya-Joghurt, eine Tasse minuziös gehackte Haselnüsse.


Und so geht's:

1 Rote Bete inklusive der zarten Blätter fein raspeln, dann in der Küchenmaschine mit den übrigen Zutaten (außer der Deko) samtig pürieren und abschmecken. Etwas andicken.

2 Bestreuen mit gehackten und gerösteten Haselnüssen, frischen Petersilie-und/oder Korianderspitzen. Beim Servieren je einen EL Kokos-Soja-Yoghurt aufsetzen.

* auf der Basis des Originalrezepts in "Schrot und Korn" 8/2013

Was ist dran am kugelrunden Bömbchen?

Die knallrote Knolle lässt sich mit Recht als Powerfood bezeichnen. In ihrem Inneren bunkert sie die Vitamine A,C,B und Folsäure. Jod, Kalzium, Kalium, Magnesium, Natrium, Phosphor und jede Menge Eisen machen springlebendig. Das enthaltene Betain baut Homocystein ab - der Risikofaktor schlechthin für Herzkrankheiten - Anthocyane beugen Krebs vor und Nitrat senkt den Blutdruck. Regelmäßiger Verzehr bildet Mitochondrien und diese wiederum unterstützen bei Arthrose, Alzheimer, Diabetes, Bluthochdruck und fördern die Fettverbrennung. Und - sie bekämpfen den Alterungsprozess! Auch Sportler profitieren von der quietschroten Knolle, die die beanspruchte Muskulatur durchblutet und das Bindegewebe stärkt.


Will man nach einem Herbstspaziergang ein Frösteln in den Knochen vertreiben, wäre diese raffinierte Rote-Bete-Variation der Favorit. Leicht bekömmlich, sättigend, wärmend, schnell produziert.


Rote Bete-Kokos-Suppe **


Wir benötigen:

500 g Rote Bete, 1 rote Zwiebel, Kokos- oder Avocadoöl, Gemüsebrühe, Kokosmilch, Lauchzwiebeln, 1 halbe geschälte Kokosnuss, 200 g gegarte Kichererbsen oder gekochter Couscous, Salz, roten Pfeffer, Cumin, Kurkuma und/oder Garam Masala.


Kokosnüsse - frisch gepflückt
Und so geht's:

1 Geschälte rote Bete in Würfel schneiden, Zwiebel fein hacken, Lauchzwiebeln stückeln, Fleisch der Kokosnuss schmal hobeln.

2 Zwiebel in heißem Öl anschwitzen, rote Bete zufügen und 2-3 Minuten mitdünsten, Gewürze zufügen und mit rösten, mit Brühe und Kokosmilch auffüllen und 20-30 Minuten köcheln.

3 Die Hälfte des Gemüses herausnehmen.Rest fein pürieren. Kichererbsen oder Couscous, restliche Rote-Bete-Würfel zufügen, aufkochen. Abschmecken mit Salz, Pfeffer, Prise Zitrone, 1-2 Tropfen Dattelsirup, Cumin oder Garam Masala nach Geschmack. Nicht über-würzen, damit das Erdige-Pure der Roten Bete mit dem Kokosnussflavour eine ideale Verbindung eingehen kann.

4 Kokoshobel unterrühren, kurz aufwallen lassen. Die Suppe in Schalen füllen und mit  Kokosstreuseln dekorieren.


Gute Gründe, einmal öfters Rot zu sehen! 


** Nach dem Originalrezept "Schrot und Korn" 2/2011


Tags: Rote Bete, Kokos, Haselnüsse, Suppe, Rohkost, vegan, vegatarisch


Bildnachweis:

MissWord! Thinkstock
Rote Bete: Pixabay Desertrose 7
Kokosnüsse: Stocksnap.io - Skitter Foto




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Sigrid Jo Gruner  unterstützt als "MissWord! Redaktionsbüro für strategische Unternehmenskommunikation" Unternehmen und Selbstständige bei ihrer Positionierung und Unternehmenskommunikation. Schwerpunkte: Strategische Beratung, Konzeption & Redaktion, PR- & Magazintext, Web-Content, E-Book & Corporate Book. Und 24-jährige Erfahrung.


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Mittwoch, 18. Oktober 2017

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Dienstag, 17. Oktober 2017

Mittwochsthema: Wie flutscht es zwischen Unternehmen und Text-Dienstleister? (Folge 5)


Autor oder Robot? Es gilt der menschliche Faktor!

Wie wichtig ist es, dass Textauftraggeber und Schreiber gut zusammenpassen?


Eine Zukunftsperspektive, die bereits Fuß gefasst hat: Roboter können Emotionen ausdrücken; um sie zu empfinden fehlt ihnen (Gott sei Dank) die Fähigkeit zu Empathie. Auch wenn ein Textroboter in der Lage ist, Textteile zusammenzufügen, lassen diese doch den emotionalen Subtext vermissen, der eine Sprachpassage erst zu einem strategischen (und ästhetischen) Tool macht. Kein Text, der eine Wirkung erzeugen soll, kann auf Konzept, Strategie und Qualität verzichten. Sabine Fäth von SCRIBERS[HUB] – einem professionellen Vermittler zwischen Textsuchenden und Textgebenden auf hohem Niveau mit Sitz in Hamburg – macht klar, dass es sich lohnt, um die Qualität von gesprochener und geschriebener Sprache im digitalen Zeitalter zu kämpfen.


Roboter Larry, der gerade seine Textmaschine anwirft











Warum ist Premiumtext heute wichtiger denn je?


Braucht unsere Schriftsprache als schützenswertes Kulturgut nicht auch potente Fürsprecher wie die UNESCO es für das Weltkultur- und Naturerbe (und die französische Landesküche) ist? Sabine Fäth, Gründerin und Betreiberin von SCIRBERS[HUB], führt anspruchsvolle Textauftraggeber mit ebensolchen Textproduzenten (Autoren, Journalisten, Textern) zusammen. Die langjährige Chefredakteurin von auflagenstarken Publikumszeitschriften erläutert ihre Unternehmensphilosophie auf dem Autoren-Blog „1a-Grenadas“ und trifft dabei auf offene Ohren, denn „Premiumtext“ ist hier längst Thema. Dabei spricht sie keineswegs nur pro domo. Ihre Plattform zielt ab auf ein erweitertes Qualitätsbewusstsein bei Textauftraggebern, auf die Pflege von Textkultur und auf eine gesunde Balance von Leistung und Honorierung für erstklassige Profi-Autoren und Texter.

Sabine Fäth bricht eine Lanze für Premiumtext


„Text und Sprache mussten im digitalen Zeitalter einen Bedeutungsschwund hinnehmen. Doch gerade in der gezielten Kommunikation zeigt sich, wie viel Unternehmen, Medien und Institutionen ihre Kunden und Konsumenten wert sind. Wer mit anspruchsvollen und aufgeklärten Zielgruppen ergebnisorientiert kommunizieren will, muss heute mehr denn je auf relevantere Inhalte mit Nutzwert, auf präzise Positionierungen und hochwertiges, begeisterndes Content Marketing setzen. Die Qualität der sprachlichen Aussagen und eine niveauvolle Darstellung sind wesentliche Kriterien auf der Customer’s Journey zu Vertrauen und Sympathiegewinn. In einem unübersichtlich scheinenden Konsumkosmos erwarten Interessenten mehr als reine Produkt- oder Dienstleistungsqualität, sie wollen in ihren Bedürfnissen erkannt und in ihren Gefühlen gespiegelt werden.

Viele Unternehmen oder Institutionen verfügen über keine eigenen Content Marketing Kapazitäten, arbeiten aber auch nicht langfristig und nachhaltig mit Textprofis zusammen. Sie können den Markt nicht überblicken und sind sich im Unklaren, wie sie die Güte eines Autors oder Texters einschätzen sollen. Welche Kriterien sind hier entscheidend? Woran erkenne ich einen Profi? Wie viele Vorkenntnisse in meiner Branche sollte er haben? Welche Honorare sind marktüblich und leistungsangemessen?

Oft fehlt es im Unternehmensalltag nicht nur an Auswahlkompetenz. Die aufwändige Suche nach dem richtigen Textdienstleister bindet personelle Kapazitäten und Zeit. Die Folge? Es kommt zu Halbwahrheiten und unprofessionellen Darstellungen, die dem Auftraggeber schaden können. SCRIBERS[HUB] macht es Auftraggebern aus Unternehmen, Verlagen und Agenturen leicht, den richtigen „Wissenstanker“ für ihren ganz speziellen Bedarf zu finden. Unsere Stärke: alle Freelancer sind auf Qualitätsstandards mit Arbeitsproben und Referenzen persönlich verifiziert. Transparenz, Klarheit und Vertrauenswürdigkeit sind die Voraussetzungen für optimales Matching.“


Sabine Fäth von SCRIBERS(HUB) www.scribershub.com
Sabine Fäth. Journalistin und Gründerin der Vermittlungsplattform SCRIBERS[HUB]. Nach zwanzigjähriger Tätigkeit in leitenden Positionen und als Chefredakteurin von Frauenzeitschriften (u.a. Tina, Bella, Laura, FÜR SIE) berät sie heute Unternehmen bei konzeptionellen und organisatorischen Fragen (New Work, Change-Management, Neuentwicklung). Ihre Plattform SRIBERS[HUB] ist ein Qualitätsnetzwerk von freien Textern, Autoren und Journalisten (derzeit über 800 verifizierte Schreiberprofile). Sie vermittelt "kluge Köpfe für kluge Inhalte" an Auftraggeber aller Branchen und Mediengattungen. 


Werden künftig Textroboter das Sagen respektive das Schreiben haben?


In einer digitalen Zeit muss man mit allem rechnen. Was wir aber in der ersten Euphorie über Smartphone, Messager, Facebook und Chatroom nicht erwartet haben, zeigt sich jetzt als Verflachung und Vermassung von vielem, was uns über die Jahrzehnte/Jahrhunderte lieb und teuer geworden war. Traditionelle Print-Zeitungen kämpfen ums Überleben, und Textqualität ist zum Begriff verkommen den nur wenige erklären können. Hat die Überflutung an audiovisuellen Reizen die Schriftsprache in eine Randposition innerhalb der Marketingkommunikation gedrängt? Früher war vieles erschwerter, in der digitalen Transformation allerdings ist manches reduzierter.

Dass Sprache Veränderungen unterworfen ist, ist normal. Jugendsprache gibt es vermutlich, seitdem sich die Menschen der Sprache bedienen. Was uns heute in der heranwachsenden Jugend zu Ohren dringt, ist allerdings für Generationen, die noch eine analoge Zeit kannten, meist unverständlich. In den Fünzigerjahren und Sechzigerjahren stellte die damals aufkommende „Halbstarken-Sprache“ eine Provokation dar, heute nimmt sie sich vergleichsweise harmlos aus. „Halbstarke“ verwandten ihren Slang, um wahrgenommen zu werden. Ebenso wie die schwarze Lederjacke und Elvis-Tolle stellte sie einen zivilisierten Versuch dar, in der eingefahrenen und für die Jungen verkrustet wirkenden Erwachsenenwelt Gehör zu finden.

Heute ist das Smartphone am Familientisch gegenwärtig wie noch vor zehn Jahren das Fernsehgerät und ersetzt was Ältere „Gespräch“ oder „Konversation“ nannten. Dass Sprache ein Auslaufmodell sein könnte, war für sie unvorstellbar. Nicht selten werden Kinder eingeschult, die nur über geringe Sprachfertigkeiten verfügen, aber mit einem Smartphone gekonnt umzugehen wissen. Kunst, Literatur und Kultur waren immer auch Seismographen der Zeitströmungen. Während sie in allen Zeitepochen in ihren Werken die wichtigsten gesellschaftlichen Entwicklungen spiegelten, lässt sich in den Nullerjahren eine Fluchtbewegung hin zu Fantasy (Harry Potter), Super Heroe-Serien, Märchen- und Trickfilmen, Killer-Games und Gewalt-Videos ausmachen. Vermeidungsverhalten innerhalb einer immer massiver digitalisierten Welt?

Gehören Schreibende, Autoren, Redakteure, Textwerker bald einer aussterbenden Spezies an?


Krxxx ...


Die digitale Kommunikation entbehrt aller Signale, die für eine intakte zwischenmenschliche Beziehung unverzichtbar sind: Haptik, Mimik, Tonfall, Körpersprache, Empathie, Pacing, Ausdruck. Ihr Medium heißt "Bits & Bytes". Roboter sind heute in der Lage, Chatrooms zu bespielen, Nachrichtensendungen zu füllen und auf Twitter mittels Fake News Verwirrung (und Schlimmeres) zu stiften und Hatestorms zu entfachen. Der Einsatz von Kollege Robi mag bei Sportnachrichten, die sich rein auf die Ergebnisse konzentrieren, durchaus okay sein. Aber überall dort, wo der Mensch auf emotionale Spiegelung, intuitives Kommunizieren, Meinung, Kommentar, Bedürfnisbefriedigung, Wahrnehmung, Reflexion, Sinngehalt abzielt, laufen Robot-Texte ins Leere. Ein Roboter kann mittlerweile Gefühle ausdrücken („Larry ist jetzt sehr traurig!“), empfinden kann er sie nicht und wird dies auch nie tun. Ein Tamagochi zum Liebhaben? Diesen Selbstbetrug nannte man früher Heuchelei.


Das Revival der Welt der Dinge, Gefühle und Emotionen


Doch es zeigen sich Gegentendenzen – Würfel- und Brettspiele, Familienunterhaltung, Vinyl-Schallplatten, Knetmasse und Ausmalbücher für Erwachsene, Reisebüros und Tante-Emma-Läden erleben eine Renaissance der Bodenständigkeit und Begreifbarkeit. Verlangsamung mit gleichzeitiger Intensivierung bietet dem atemlosen Tempo auf der Datenautobahn Paroli. Die konkrete Welt der Dinge setzt Zeichen gegenüber dem Internet der Dinge.

Berechtigte Hoffnung macht sich breit, dass eben doch nicht alles so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Schließlich sind Menschen doch vernunftbegabte Wesen, oder? Ich fürchte nur, hier hat die Vernunft einen schweren Stand. Es bedarf der Empathie, Emotion und Einfühlung, um zu begreifen, dass alle diese nicht-konkreten und - durch die digitale Brille gesehen - scheinbar luxuriösen Unerlässlichkeiten wie Schreiben, Gespräch und Diskurs, Kontakt, Nähe und Beziehung die Basis und Essenz unserer menschlichen Existenz darstellen. Diese sollten wir tunlichst nicht gefährden!


Autorin: Sigrid Jo Gruner
Fotonachweis:

Sabine Fäth (ebenso)
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Roboter 1: Stocksnap.io, Ciprian Boiciuc
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Tags: Robotertext, Text, Texter, SCRIBERSHUB, Sabine Fäth, MissWord!, Sigrid Jo Gruner, Premiumtext







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Sigrid Jo Gruner  unterstützt mit "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen und Selbstständige bei ihrer Positionierung und Unternehmenskommunikation. Schwerpunkte: PR- und Strategische Beratung, Personal Branding, Redaktion, Buchcoaching. Produkte: Premiumtext, Webkonzept und Content, PR- und Werbetext, Publikation, E-Book, Sachbuch & Corporate Book. 24 Jahre Selbstständigkeit, 30 Jahre Berufserfahrung.

Schwerpunktthemen: Alles was gut schmeckt, schön aussieht, sinnvoll ist & glücklich macht. Gesellschaftspolitische und Zeitthemen, komplexes B2B, Food & Kulinarik, LifeBalance, Branding, Persönlichkeitsentwicklung, Businessthemen.

Sonntag, 15. Oktober 2017

1a-Grenadas: Aufgespießt: Mozart auf Hallig Dömstrüttel

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Aufgespießt: Mozart auf Hallig Dömstrüttel: Mozart auf Hallig Dömstrüttel Radiointerview der anderen Art Jetzt im Ruhestand erinnere ich mich gerne mal an meine Sternstunden a...



Zeitzeugen von Mozart? Schwierig, meinen Sie? Na, da kennen Sie Opa Jepsen noch nicht.

Aufgespießt: Mozart auf Hallig Dömstrüttel

Mozart auf Hallig Dömstrüttel


Radiointerview der anderen Art


Jetzt im Ruhestand erinnere ich mich gerne mal an meine Sternstunden als Radioreporter beim Lokalfunk in Vorderoeelde-Ost, Ostostwestfalen. Ja, glauben Sie nur nicht, dass mein Leben, so bescheiden es sich von außen auch ausnimmt, ohne Glanzlichter gewesen sei.

Anfang der 90er, letztes Jahrhundert versteht sich, da jährte sich zum 200. Mal der Todestag eines unserer ganz Großen. Gut, er war Österreicher, aber das war ja damals noch irgendwie eins. Natürlich wollten auch wir dieses Top-Thema am Sonntag bringen, zwischen Morgenandacht und Mittagsmesse, bester Sendeplatz, noch vor dem Wochenmarkt, dem zentralen Ereignis in Vorderoelde-Ost, das wir regelmäßig aufzeichneten. Das war Oostwestfalen pur - wenn sich die gutturalen Laute der rotköpfigen Bauern mit dem Gackern des Federviehs und dem Muhen der sanftäugigen Rotbunten mischten. Sie sehen, wir haben der Sache eine gewisse Bedeutung zugemessen!

Na, hören Sie selbst ..

Mozarts Chlavichord - unbenutzbar bei seinem Hallig-Aufenthalt ?


„Verehrte Hörerinnen und Hörer, zum 200. Todestag eines genialen deutschen Tonschöpfers haben wir keine Mühen gescheut, um dies für Sie zu einer veritablen Feierstunde zu machen. Wir freuen uns ganz besonders“ – und hier überschlug sich meine Stimme vor Aufregung – „dass wir heute einen der ganz seltenen, ja ganz sicherlich den einzigen noch lebenden Zeitzeugen des großen Mannes zu uns ins Studio holen konnten. Opa Sönke Jepsen aus Klein-Tönisveert im Oostostwestfälischen. Sie waren in den ersten 120 Jahren ihres Lebens Landwirt auf der Hallig Dömstrüttel, erzählte uns Ihre Ururenkelin?“ - Der winzige, einer Trockenpflaume nicht unähnliche Mann, der schon geraume Zeit in sich gekehrt neben mir gestanden hatte, wurde urplötzlich munter, riss das Mikrofon an sich und pustete hinein: „Joo, das iss wahr. Die Line, das junge Ding, hat schon recht.“ Das junge Ding war an die 77, Opa Jepsen selbst musste so auf die 225 zusteuern, ganz genau wusste das keiner, er selbst wohl am allerwenigsten.

„Opa Jepsen, Sie haben Wolfgang Amadeus Mozart“ – und es kratzte mich geradezu im Hals – „richtig persönlich gekannt? Erzählen Sie mal! Unsere Zuhörer sind ja schon ganz aus dem Häuschen.“ Jepsen griff sich wieder das Mikro: “Joo, was soll ich Ihnen sagen? Eines Tages landete auf Dömstrüttel ein Schiff von Osten an, es musste wohl lange unterwegs gewesen sein, denn die paar Leute, die ausstiegen, waren völlig fertig. Da waren wohl auch ein paar von ihnen unterwegs hops gegangen. Cholera oder so. Na egal. Der Rest war auch ganz transusig, einen jungen Mann hatte es schlimm erwischt. Seine Seidenhöschen waren verschlissen, das Spitzenjabot zerfleddert, und ein ums andere Mal jammerte er über seine vermaledeite Perücke, in der die Bordmäuse hausten.“ Hier kicherte der kleine Mann hektisch vor sich hin. „Also, seine Laune war echt schietig. Er machte viel Aufhebens wegen seiner Violine, er spielte wohl ab und zu mal zum Tanz auf, die feuchte Seeluft hatte sie aufgeweicht und das Chlavichord hatte eine schwere Welle ramponiert.“ 

An dieser Stelle griff ich mir Opa Jepsen, weil ein böser Schluckauf seinen eingefallenen Brustkorb ordentlich durchschüttelte wie eine Orkanböe aus Nordwest. Ich klopfte ihm auf den Rücken, klang ganz hohl, und flößte ihm Wasser ein. Während dessen schob mein Assistent ganz gewitzt das Intermezzo aus „Figaros Hochzeit“ dazwischen. 




Halligidylle?? Wohl eher Südsee.



Als die blaue Färbung aus seinem Gesicht gewichen war, fuhr Opa Jepsen fort: „Puder für die Perücken war ihnen ausgegangen, kaum noch Proviant, ein paar Pralinen, die sie uns gleich als Gastgeschenk angeboten hatten und so'n Pulver, das sie Schokolade nannten. Wir machten uns ja nicht so viel aus Zuckerzeug ... gab‘s bei uns eigentlich nur für die Weiberleut im Kindbett. Die meisten kamen beim Pastor unter. Den Geiger packte ich bei mir auf den Heuboden, da war er vor Flutwellen erst mal sicher. Gut, durchs Reetdach pfiff der Wind, na ja. Den plagte ein böser Magenkatarrh.“ 

Hier hakte ich ein: „Sagen Sie, Opa Jepsen, wie kommt‘s dass Sie sich an all das noch so gut erinnern können?“ - „Ja, war ja jung damals“, nuschelte er durch die beiden ihm verbliebenen Vorderzähne, „prägt sich schon ein, außerdem hab ich ein fotografisches Gedächtnis, sagt Line immer, das junge Ding, die vergisst jetzt schon mal, wo die Schlüssel liegen.“ „Na ja“, stotterte ich, „mit 77 kann man schon mal etwas tüttelig werden..“ „Unsinn“, wies mich Jepsen zurecht und guckte richtig ungnädig.

Ich beeilte mich, ihn aufs Thema zurückzuführen. „Was war denn jetzt mit dem Herrn Mozart?“ Opa Jepsen spitzte die Lippen, als ob er pfeifen wollte. „Ja, der war da, um sich in der Nordseeluft zu kurieren, sein Arzt hatte ihm ‚ne Kur empfohlen, eigentlich wollten die ja nach Madeira, aber die Kasse knauserte, und bei uns stimmten die Preise ja noch. - Mit dem jungen Herrn Moozard war nicht viel los, er schlotterte immerzu vor Kälte, schrie nach Rotwein und Tabak, fraß alle Pralinen auf und wurde sehr krakelig, als das Wetter sich nicht änderte.“ Bevor Opa Jepsen sich allzu lange beim Wetter aufhalten konnte wollte ich wissen: „Hat er sich denn mit den Leuten unterhalten?“ - „Nee.“ Konterte er. „Der kam ja kaum aus der Stube. Nur die Berte, meine Alte, die war die einzige, mit der er mal sprach. Ja, ich weiß ja auch nicht, was die so zu schnacken hatten? Das war immer ein Gekichere und Geschäkere im Heu, sag ich Ihnen, die Wirtschaft litt darunter ganz schön, weil die Berte gar nicht mehr nachkam mit Kehren und Putzen. Sie hatte ja nur noch mit dem jungen Herrn Moozard zu tun. Seine Perücke bürsten, die Wäsche ausbessern, den zerrissenen Hosenlatz stärken. Joo, was sollte ich machen? Ich sah die Berte kaum noch.“ Der Opa guckte verstimmt.

Land unter vor der Freiheitsstatue
„Hatten Sie denn da schon Kinder?“ -„Nee, wir warn ja grade erst mal ein paar Monate verheiratet. Und die Berte und ich, wir wussten ja nich so viel vom Leben, als sie uns zusammengegeben hatten.“ -„Soll das heißen  ääh.. dass Sie noch gar nicht ... na ja, Sie wissen schon, die Ehe vollzogen hatten?“ - „Joo, das war wohl so, da hatten wir‘s nicht so eilig.“ Jepsen schnalzte mit der Zunge und dann mit den Hosenträgern und rülpste laut. Nun ja, wir mussten dem alten Herrn schon mal was nachsehen. Unsere Hörer bestätigten später, dass sie das als sehr authentisch empfunden haben.

„Aber dann ..“ fuhr der schnurrige kleine Alte fort, „als eines Tages, muss so zwei, drei Monate nach der Ankunft der Fremden gewesen sein, das Postschiff aus Emden kam, das kam so zweimal im Jahr, da war der plötzlich wieder wech. Wie‘ n Blitz. Einfach so. Was sacht man dazu? So’ne Eile, das kannten wir so gar nich.“ - Ich hakte nach: „So über Nacht? Ohne Abschied?“ - „Joo, genau. Na, ja war auch besser so. Das war ja kein Auskommen mehr mit der Berte.“ - „Ja, Bauer Jepsen, das war ja schade. Hat der Herr Mozart denn mal Musik gemacht?“ - „Nee, das konnte er ja nich, die Geige war hin. Und wir hatten ja nix, nur auf dem Kamm hat er mal geblasen.“ Opa Jepsen guckte trübe. Ich tröstete: „Ja, schön, dann hatten Sie ja doch mal eine Kostprobe von seinem großen Können?“ - „Joo, wenn man so will.. Aber gefallen hat das bei uns keinem.“

Ich merkte, der Opa schlaffte jetzt doch ganz schön ab und steuerte das Ende an: „Bauer Jepsen, eine letzte Frage: Wie kommt es denn, da bin ich jetzt einfach ein bisschen neugierig, also wie kamen Sie denn doch noch zu Familie, wo Sie doch..“ ich zwinkerte ihm zu, „na ja, Sie wissen schon. Ist es denn danach doch noch zu einer Annäherung zwischen ihnen und der Berte gekommen?“ - Opa Jepsen zierte sich ein bisschen und kratzte sich am Kinn. „Joo, nee, das war komisch, so‚n gutes halbes Jahr danach ist meine Berte niedergekommen, mit einem Sohn, ich weiß auch nicht wie, der Pastor meinte, es gäbe ja immer mal wieder eine Eingebung des Heiligen Geistes, und der kam wohl über sie. Der hat dann später das Chlavichord repariert..“ -



Ich beeilte mich, dem nichts mehr folgen zu lassen als: „Na, auf der Hallig hat die Natur eben ihren eigenen Rhythmus“ und nahm Opa Jepsen nun endgültig das Mikro aus der Hand. Der war jetzt auch schon ziemlich rammdösig.

Obwohl ich von einem Ohr zum anderen grinste, kriegte ich noch den Abspann ganz sauber hin: „Meine verehrten Hörerinnen und Hörer, damit wollen wir diesen sensationellen Augenzeugenbericht beschließen, Wolfgang Amadeus Mozart, der geniale Tonschöpfer, einmal ganz anders gesehen, als Kurgast auf einem lütten, von den Menschen und Gott beinahe vergessenen Eiland, mitten in der brausenden See, von Welle und Sturm gepeitscht, ein Mann, der den Gezeiten trotzte und bleibende ..äh.. lebendige Erinnerungen hinterließ.  - Doch nun zurück zur Morgenandacht.“

Sie werden nun denken, Bauer Jepsen war wohl ein ausgemachter Trottel. Ich neige eher dazu, ihn für einen ausgemacht schlauen Kopf zu halten, der sich das Leben eben nicht unnötig erschweren wollte. Gleichmütig nennt man das wohl und das ist mehr als viele Heutige schaffen. Und eine Eingebung des Heiligen Geistes, die wurde in Klein-Vorderoelde-Ost allemal gerne gesehen. Damit lagen wir voll im Trend, will sagen innerhalb der Zielgruppe. Die Quote war ordentlich an diesem Sonntag, was will man als Medienmensch mehr.








Copyright:Sigrid Jo Gruner
Abdruck nicht ohne Abstimmung mit der Autorin

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Bildnachweis: Stocknap.io

Insel im Meer: Aaron Burdon
Antike Klavier Tastatur: Skitter Foto
Schiff vor Freiheitsstatue: Justin Leibow
Puppe: Gary Bendig



Sigrid Jo Gruner unterstützt als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen und Selbstständige bei ihrer Positionierung und Unternehmenskommunikation. Schwerpunkte: Strategische Beratung, Branding, Konzeption & Redaktion, PR- & Magazintext, Web-Content, E-Book & Corporate Book. Und 24-jährige Erfahrung.


Schwerpunktthemen: Alles was gut schmeckt, schön aussieht, sinnvoll ist & glücklich macht. Gesellschaftspolitische und Zeitthemen, komplexe B2B-Themen, Food, LifeBalance und Persönlichkeitsentwicklung, Marketing-, Manager- und Businesswissen.