Sonntag, 8. Dezember 2013

Sonntagsthema: Ein bisschen Sentimentalität muss sein ..

Die Weihnachtstage rücken bedrohlich näher, man merkt's schon daran, dass man sich der kommerziell gesteuerten Sentimentalität kaum entziehen kann. Die TV-Werbung kennt nur noch irre glückliche Familien vor überquellenden Gabentischen, schwer verliebte Paare, engelgleiche Kinder und fürsorgliche Hunde, die sich um das Wohl ihrer Mit-Menschen und Mit-Tiere Gedanken machen .. 

Auch wenn uns dieses rosarote Zuckerzeug schwer im Magen liegt, sehnen wir uns doch nach großen Gefühlen - großes Kino, fern dem Alltag und dem Himmel so nah. Dummerweise sind die Kinos an den Feiertagen geschlossen. Daher soll hier einmal dem Fernsehen gedankt werden - denn jetzt flimmern sie wieder, die großen Filmklassiker. Jetzt sind sie wieder da, die anbetungswürdigen Helden und Heldinnen, die durch Gefahr und Not und Verzicht zu einem umwerfend schlichten Schlussatz finden wie James Stewarts George Bailey es tut: "Ist das Leben nicht schön?"(1947!)

Das große Gefühlskino, in dem wir nicht lange genug baden können, datiert nicht selten in den 1940er und 1950er Jahren, in Jahren überstandenen Elends und des Neuanfangs - "Das Wunder von Manhattan", "Casablanca", "Der kleine Lord", "White Christmas", "Der Graf von Montecristo" und "Wir sind keine Engel", die "Sissi"-Trilogie, "Don Camillo und Peppone", die frühen Jane-Austen-Verfilmungen, persifliert in "Manche mögen's heiß!", ironisiert in "Frühstück bei Tiffany!". Ihre Botschaft heißt:"Alles wird gut!", selbst wenn vorher gelitten und gestorben wird oder gerade dann. In der neueren Vergangenheit reiht sich hier z.B."Das Beste kommt zum Schluss"(2007) mit den unvergleichlichen Holywood-Haudegen Jack Nicholson und Norman Freeman ein.

Film hilft. Aber geht's auch ohne Krücken? Gefühle zeigen, Gefühle ausleben? Mal riskieren, dass man sich als komischer Kauz outet?

In der Kult-Anwalts-Comedy "Ally McBeal" aus den späten 1990ern verhilft ein schrulliger Anwalt seinen Mandanten vor Gericht weniger mit Sachverstand als mit Chuzpe zu ihrem Glück: Er "hält inne". Er bringt es fertig, bei einer Zeugenbefragung 3, 4 Minuten mit dem Finger an der Nase in sich gekehrt für die anderen unsichtbar zu werden, während der Richter rot anläuft und die Zuschauer mit den Füßen zu scharren beginnen. Um dann zu sagen: "Keine weiteren Fragen, Euer Ehren!" nachdem er dem Zeugen nicht eine einzige gestellt hatte. Aber in diesen 3,4,5 Schweigeminuten (und Filmminuten haben eine andere Metrik als reale Minuten) hat er die Jury auf seine Seite gebracht. - Keine Frage, dass sein Mandant eine Stunde später von jeder Schuld freigesprochen wird.

Halten wir also mal inne. Und schau'n was passiert. An Weihnachten. Und danach.