Sonntag, 12. Januar 2014

Sonntagsthema: Parasitäre Singles - Eine Ungezieferart??

Haben Sie auch von dieser neuen Landplage gehört? Sie tritt zwar ganz besonders in Japan auf, aber in einer globalen Welt könnte das ganz fix über die Kontinente schwappen und sich flutwellenartig auch in Deutschland ausbreiten. Einzelne Spielarten dieses neuen Parasiten sieht man auch hier bereits und das nicht nur in Komödien, die von Loriots unschlagbarem Humor geprägt sind (Ödipussi).

Eltern-Kind-WGs wieder stark im Kommen

Die Rede ist von "Parasitären Singles" - Jungen Leuten, die bis in ihre späten Zwanziger und frühen Dreißiger und nicht selten noch länger bei ihren Eltern einnisten und die Vorteile einer familiären Versorgung genießen. Auch eine Heirat macht diesem "Treiben" nicht immer ein Ende. Allein 10 Millionen unverheirateter junger Leute sind in Japan betroffen.

Allerdings - bei näherem Hinsehen könnte man argwöhnen, dass die japanischen Eltern diese Situation vielleicht sogar mehr genießen als ihre Nesthocker. Es entspricht einem traditionellen Denken, dass die Generationen sich gegenseitig unterstützen. Japanische Eltern, die ihre Nesthocker lange umsorgen, erwarten auch, dass diese sie im Alter bei sich aufnehmen. 

Familiensinn oder tolerierter Nießbrauch?

Gründe für das familiäre Cocooning liegen aber auch in der Wohnungsnot der japanischen Großstädte, wo bezahlbarer Wohnraum knapp wie Wasser in der Wüste ist. Der japanische Single minimiert so seine Lebenshaltungskosten, spart die Kosten für eine teure Wohnungseinrichtung oder das gefürchtete "Schlüsselgeld" an den Vermieter kann er auch für anderweitige Bedürfnisse verwenden. Begleitumstände, die manchen Single peinigen - wie etwa Silvester oder Geburtstag allein zu verbringen - muss er nicht fürchten, in der Brutwärme des Nestes kommt keine Depression auf. Und wenn, dann hat sie andere Gründe.

Auch in Europa steigt die Quote der jungen Leute, die nach Schule und Berufsabschluss nicht sofort das Weite und die Unabhängigkeit suchen, deutlich an, außer in Dänemark und Irland. Doch im Gegensatz zu japanischen jungen Männern empfinden z.B. Spanier und Portugiesen Scham, wenn sie ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zu einem längeren Verbleib im Elternhaus nötigen und der in Großbritannien verwendete Begriff "Kippers" - "Kids in Parent's Pockets Eroding Retirement Savings" hört sich nicht gerade wohlwollend an. Der französische Film "Tanguy, der Nesthocker" nimmt dieses Phänomen kräftig auf die Schippe.

.. und hierzulande? 

Hier sollen fast 90 Prozent der 18-20-jährigen noch in einer Eltern-Kind-WG leben, bei 22-25-Jährigen beträgt dies immerhin noch 46, bei 26-27-Jährigen 20 und bei Endzwanzigern 12 Prozent. Junge Frauen werden übrigens schneller flügge als ihre männlichen Altersgenossen. Der Grund? Vielleicht wollen junge Männer un-bewusst die Zeit der Unabhängigkeit verlängern und Familiengründungen hinausschieben, bis die notwendige soziale Sicherheit dafür vorliegt. Ins Leben hinauszugehen und eine eigene Adresse zu haben, heißt natürlich auch Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Da - wie wir wissen - das menschliche Gehirn erst ab 25 so richtig einsatzklar ist - tun diese junge Leute gut daran, die Zeit der Adoleszenz ein wenig zu verlängern. Auch eine Art von Entschleunigung. Eigentlich liebenswert angesichts einer Welt, die in bestimmten Bereichen immer rasanter rotiert.

Der Single - das unbekannte Wesen

16 Mio. Menschen leben hierzulande allein. Welche Beweggründe vorliegen, welche Lebensumstände und Zukunftsperspektiven wird in meinem unterhaltenden Sachbuch zum "Singledasein", das gerade entsteht, zentrales Thema sein. Auch wie man als Single gut über die Runden kommt und sein Leben nicht als defizitär erlebt, sondern mit allen Möglichkeiten genießt. Denn  diese Fragen betreffen uns alle - einmal im Leben, mindestens, ist jeder von uns mal Single. Ob er will oder nicht. Das Buch macht Mut dazu. 

Dazu bald mehr.