Sonntag, 18. Mai 2014

Sonntagsthema: Haben Sie auch einen Oldtimer zuhause?




Glückwunsch! Aber doch noch ne Frage: Steht der in Ihrer Garage oder sitzt er auf der Couch in der Einliegerwohnung?

Anglizismen haben’s in sich. Oft geht auf dem Weg vom mutigen Gebrauch zum deutschen Hirn die ursprüngliche Bedeutung verloren. Wir finden es modern, wenn wir uns in Anglizismen ausdrücken und erwecken beim Muttersprachler dennoch nicht selten amüsierte Reaktionen. 

Showmaster etwa waren das Ergebnis der pionierhaften Nachkriegs-TV-Formate, die bei Quiz und Ratespiel, Fernsehballett und Songeinlagen ganze Familien vor dem Bildschirm vereinten. Entertainer (die korrekte Bezeichnung, wenn es schon aus dem Angelsächsischen entlehnt werden soll) war dem Hierarchiefimmel im biederen Adenauerdeutschland wohl zu fremd. 

Auch bei der Unterhaltung geht es schließlich darum, in geordneten Reihen zu agieren. Jawoll. Dabei muss die Hackordnung klar sein, nur einer kann der „Master“ sein J) Eben der honorige Herr im großflächigen Karo oder der Gutgelaunte, dem am Ende der Sendung immer der Butler in den Mantel half. 

Auf ein Wort

Für Unternehmen ist die Pflege von einheitlich verwendeten CI, CD, CP (Darstellung nach Innen und Außen) längst Pflichtübung. Aber wie steht’s mit dem Wording? Worte und Wörter verbinden Unternehmen mit Menschen, Menschen mit Marken. 

Eine authentische Unternehmenssprache stärkt den Wiedererkennungswert und schärft das Profil. Sie ist Fleisch – respektive Wort – gewordene Identität, Selbstverständnis, Charakter, Eigenart. Sie drückt aus, was beim Konsumenten oder Kunden ausgelöst werden soll: Neugier, Interesse, Vertrauen, Sympathie, Zufriedenheit, Kauflust. Sie generiert Follower, Fans, Freunde. Dabei verbündet sie sich mit den Inhalten. Dass ihre Einbettung in die unternehmerische Farbe, Fassung und Form stimmig sein muss, versteht sich.

Ein Unternehmen sollte daher genau prüfen, welche Anmutung es in seinen Äußerungen erzeugen will.

  • Wie sind meine Zielgruppen drauf?
  • Für welche emotionalen Qualitäten sind sie empfänglich?
  • Wie sind meine Produkte geartet?
  • Welche Ausstrahlung haben sie?
  • Welche emotionalen Bedürfnisse befriedigen sie?
  • Wie passen Kunde und Produkt zusammen?


Ein Staubsauger mag ein zu einfaches Beispiel sein. Er hilft sauber zu machen. Das wäre die technische Erklärung. Ein schwereloser Vakuum–Cleaner mit Atomantrieb und Nano-Prozessoren, die Staub selbstständig in für das menschliche Auge unsichtbare Partikel pulverisieren, macht die Wohnung zum Raumschiff – Ready to take off. 

In der Unternehmenssprache ist alles erlaubt, solange es stimmig ist (und nicht wider Sitte, Ethik, Rechtsverständnis ..)

Traditionell, klassisch, konservativ, vertraut, familiär? Progressiv-innovativ, vorwärtsstürmend, immer auf der Überholspur? Gepolt auf Spannung, Abenteuer, Erotik, sinnliche Eindrücke, Event, Novität, Mut zum Risiko? Oder auf Sicherheitsdenken, Verantwortung, Versorgung, Schutzbedürfnis? Ökologisch-achtsam oder Neo-Liberalismus pur? Postmodern oder Retro ...

Ein guter Text-Mensch kann damit umgehen. Er fühlt sich in die Eigenart des Unternehmens ein und weiß wie er dieser kongenialen Ausdruck verleiht. Ein Profi im klassischen Sinne eben. Ja, die gibt's.


Ach übrigens:

Unter unserem Oldtimer meldet sich im angelsächsischen Sprachraum ein Veteran oder besonders erfahrener Mensch im vorgerückten Alter. Eine automobile Antiquität wie ein Opel Kapitän, der mindestens 75 Jahre auf dem Buckel hat, oder bereits ein 35-jähriges VW-Cabrio mit Originalausstattung hört auf Classic car. Und wenn Sie ein solches Ihr Eigen nennen, haben Sie ein Garagen-Schätzchen.

So schnell kann ein Anglizismus ins Leere laufen .. Kann ja mal vorkommen.