Mittwoch, 25. März 2015

Knurrhahn und Venusmuschel - schon mal auf die Einkaufsliste setzen

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Die Mittwochssuppe: Brodetto di Pesce - nicht nur ...: Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe! Kurz vor der Karwoche geht's an die Schuppen. Selbst wer sonst nie Fisch verzehrt, sieht ...

Die Mittwochssuppe: Brodetto di Pesce - nicht nur am Karfreitag!

Heute ist Mittwoch, heute gibt's Suppe!

Kurz vor der Karwoche geht's an die Schuppen. Selbst wer sonst nie Fisch verzehrt, sieht sich am Karfreitag (dem "Kummerfreitag") in der Pflicht. Der Fisch ist ein urchristliches Symbol - der "Menschenfischer" verbirgt sich dahinter, die Speisung der 5.000 mit 2 Fischen und 2 Broten, die meisten Apostel ernährten sich und ihre Familien im bürgerlichen Leben mit Fischfang.

Nach der kärglichen Fastenzeit läuten der grüne Donnerstag (dem Grünzeug vorbehalten) und der fischbetonte Karfreitag die kulinarischen Osterfeiertage ein - und an diesen regiert das Lamm! Fischhändler können sich die Hände reiben, an den deutschen Hochseehäfen herrscht Hochbetrieb, die Nachfrage nach Kochfisch (Karpfen, Forelle, Schellfisch, Kabeljau, Seezunge) treibt die Preise akut in die Höhe.

Fischtöpfe dampfen an südlichen Küchen dagegen zu jeder Jahreszeit auf dem Herd. Hier wandern keine Edelfische in die heiße Brühe, sondern der preiswertere Beifang oder die weniger edlen Teile von Brasse, Seeteufel, Weißfisch, Seeaal, Meeräsche, Knurrhahn, Drachenkopf (Vorsicht, der stachelt schon mal giftig!) Scampis und Muscheln. Hering und Makrele taugen hier nicht! Diese Suppe ist ein herrlicher kulinarischer Start in die Feiertage.

Brodetto di Pesce - Geschmackiger Fischtopf aus Kalabrien


Wir benötigen:

1 kg Tomaten, 2 Zwiebeln, Knoblauchzehen, Gewürzfenchel-Stängel oder Fenchelgrün, 1 Peperoncino, Thymianzweige, Petersilie, Basilikumblätter, Lorbeerblatt, Salz, Pfeffer aus der Mühle, 5 EL gutes Olivenöl, 1 Glas trockenen Weißwein oder Wermut, 1 k gemischte Fische, 250 g ungeschälte rohe Riesengarnelen und eine Handvoll Venusmuscheln, Brotscheiben.

Alternative: Wer mag, verwendet statt Basilikum und Lorbeer einige Safranfäden und Zitronenschale als vorrangige Geschmackszutaten. Das macht den Kalabrier dann zu einem Sizilianer!


Und so geht's:

1 Gemüse (Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Fenchel, Peperoni) vorbereiten und kleinschneiden. Im Olivenöl zunächst Zwiebeln, Basilikumblätter, Knoblauch anschwitzen, restliche Gemüse zufügen, mit Wasser angießen, aufkochen, 30 Minuten moderat köcheln lassen.

2 Fische und Garnelen kurz kalt abspülen, dunkle Stellen entfernen. Gemüse mit 1 L Wasser und 1 Glas Weißwein oder Wermut aufgießen, aufkochen, reduzieren, Fisch (ohne Garnelen) zufügen, bei sanfter Hitze ca. 20 Minuten ziehen lassen.

3 Fische aus dem Sud heben, häuten, Filets und schieres Fleisch herauslösen. Alles warm halten. Gräten und Köpfe wandern mit einem Lorbeerblatt in die Brühe zurück und köcheln noch einmal 15 Minuten vor sich hin. 

5 Brühe durchsieben, würzen, abschmecken. Garnelen und Venusmuscheln darin 5 Minuten leise garen.

6 Tiefe Suppenteller anwärmen, mit gerösteten Ciabattascheiben auslegen, Fisch, Venusmuscheln und Riesenkrabben darauf verteilen, mit heißer Brühe übergießen, mit Kräutern bestreuen. Umgehend löffeln! 

Der Charme dieser delikaten Fischsuppe liegt in ihrer Wandelbarkeit. Variable Fischzutaten erfinden sie immer wieder neu. Buon appetito!








Originalrezept in: "Die neue echte italienische Küche", GU
© lassedesignen - Fotolia.com



Sonntag, 22. März 2015

Sonntagsthema: Pressearbeit - Nicht erst wenn's brenzlig riecht ....

Gedanken zu heutiger Medienarbeit - kurz und praxisnah:

Ein Kunde, sagen wir eine touristische Einrichtung, kam auf mich zu. Die Auslastung sei zu gering, die Betten zu oft leer, die Buchungen rückläufig. Gleichzeitig musste das Preisniveau auf Anweisung der Eigner angehoben werden. Irgendwie tricky. Nach einer ausführlichen Analyse und Strategieberatung inklusive schriftlichen Dossiers und einem Check der vorhandenen Unternehmensmaterialien wurden drei umfassende Presseaussendungen, zwei Info-Briefe an Bestandskunden und einige Social-Media-Beiträge realisiert, vorhandene Werbematerialien überarbeitet.

Soweit alles gut. Nachdem man 9 Monate damit schwanger ging, kam die Nachricht von der glücklichen Entbindung: Das Haus ist voll, die Medien berichten, die Preiserhöhung wurde auch von Stammkunden locker abgenickt. Aber was passiert jetzt? Die Pressearbeit ruht, Kehrtwende zu business as usual. Bis - ja, bis es dann doch wieder mal brennt. Dann läutet erneut die Alarmglocke. Der Feuerwehrmann wird aus dem Bett geholt.

Exkurs: Feuerwehrleute genießen in unserem Land einer neuen Studie nach den höchsten Vertrauensbonus, etwas dahinter folgen Lehrer und Priester - Dramatische Verluste erlitten dagegen Journalisten (und in ihrem Schlepptau wohl auch artverwandte Berufszweige). Das gibt mir zu denken, denn auf beides will oder kann ich nicht umsatteln. Aber ach nee, ich will so bleiben wie ich bin - "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich's frei und ungeniert!" (na, ja, schön wär's)

Tipp: 

Pressearbeit ist nur im Ausnahmefall (Krisen-PR) ein Troubleshooter, von Haus aus jedoch eine unternehmerische Aufgabe erster Ordnung

Neben relevanten Themen und substanziellem Content braucht Medienarbeit eine spürbare Kontinuität als Nährboden. Bekannt werden ist gut, bekannt bleiben besser. Die Zeit ist schnelllebig, der Mensch sprunghaft, das Gedächtnis kurz. Genau wie man Freundschaften pflegt, ist der Umgang mit der Öffentlichkeit nur von gegenseitigem Nutzen, wenn man "dran bleibt!" KMUs hegen eine angeborene Scheu vor Medien (und Social Media), weil sie meinen, sie "hätten nix zu sagen!" Große Namen täten sich da leichter. Aber wie sind diese Namen groß geworden? Doch nicht nur durch die Güte ihrer Produkte und Dienstleistungen, sondern... - Sie ahnen es: Am Ball bleiben zahlt sich aus. Dribbeln ist gut, Foulen schlecht, sich den Ball mal abnehmen lassen passiert. Aufstehen, wenn eine Grätsche zu Fall gebracht hat. Das isses.

Online-Redaktionen, Tages- und Wochenmedien, Publikums- oder Special Interest-Zeitschriften, Fachpresse oder Dow-Jones-Medien haben eines gemeinsam: Sie interessieren sich nur für Themen, die ihre Kunden lesen wollen oder vermeintlich tun. Der mit leserrelevanten Inhalten erzielte Mehrwert stärkt auch die Reputation des Mediums. In Zeiten strukturellen Medienwandels ein entscheidendes Kriterium für Veröffentlichung. *

Sie meinen auch, es fehle Ihnen an Themen von vitalem öffentlichen Interesse?

Dass sich dieser Vorbehalt so zäh hält, liegt an einer beinahe typischen Eigenart der KMUs: Sie meinen, sie müssten alles aus eigener Kraft leisten. Aber oft sind die hauseigenen Themen nur Strohfeuer, zu schnell aufgebraucht, nicht mehr aktuell oder nur sporadisch einsetzbar. Man feiert nicht jährlich sein Firmenjubiläum und der 2. Platz der jüngsten Schraubenentwicklung bei der Landeshandwerkerschau  kann auch nur einmal verbraten werden. - Content Marketing macht es uns vor: Ein wunderbares Meta-Thema (oder zwei) dort pflücken, wo man zuhause ist, es bespielen und die eigenen Interessen darin integrieren und spiegeln. Ist einfacher als KMUs denken. Vor allem, wenn sie sich den ganzheitlichen Blick eines externen Textprofis sichern.

Ein Beispiel macht's deutlich:

Ein im Kundenauftrag von mir verfasstes eBook-Manuskript beschrieb die "Gesündesten Landesküchen Europas". Der Streifzug durch einige Mittelmeer-, Nord- und Ostseeanrainer konzentrierte sich auf Lebensart, Küche, Mentalität, Charakteristika, typische Lebensmittel. Kein Wort von Urlaub, Ferienhaus, Ferienwohnung, Last-Minute-Reise oder anderen touristischen Vokabeln. Wozu auch? Es ging ja um gesundes Essen. Wer aber - glauben Sie - war der Kunde? Ein europaweit agierender Anbieter von Ferienimmobilien. Indem er ein verwandtes, aber allgemein interessierendes Thema besetzte, zog er neue und unverbrauchte Interessenten auf seine Seite, ohne sie mit seinen eigenen Angeboten direkt oder gar marktschreierisch angehen zu müssen. Die durch den kostenlosen Informationstransfer erreichte immanente Verknüpfung mit den ureigenen Auftraggeber--Themen wies ihn als Experten aus, brachte Reichweite und Zuwachs.

Was bedeutet dies für unsere Pressethemenplanung?

Sobald Unternehmen sich abgewöhnen, nur über sich selbst zu reden, sind sie im Gespräch. Dachthemen, die, gut aufbereitet, die Bedürfnisse und Interessen der Zielgruppen beleuchten, sichern Präsenz, Reichweite und Akzeptanz. Was nicht ausschließt, dass sich das Unternehmen in der Pressemitteilung an geeigneter Stelle strategisch positioniert. Ganz legitim und von den Medien zweifellos erwünscht.

Interessante Bezüge zeigt auch der Beitrag vom Kollegen Andreas Quinkert zu Content Curation auf.


* Schlusswort, das eigentlich schon zum nächsten Sonntagsthema führt:

Angesichts des Vertrauensverlustes, den die klassischen Medien gerade bei der jüngeren Generation, die nicht mit der Tageszeitung beim Frühstück aufwuchs, zu beklagen haben, muss sich Inbound-Marketing (Social Media, Suchmaschinenorientierung, SEO-Content u.a.), also alles, was dazu führt, dass man von außen gefunden wirdals mindestens gleichwertiges Standbein dazugesellen.



Bild: Fotolia


Samstag, 14. März 2015

1a-Grenadas: Aufgespießt: Wie darf man sich Deutschland in 30 J...

1a-Grenadas: Aufgespießt: Wie darf man sich Deutschland in 30 J...: Die Invasion der Nashörner Mal eine Randnotiz, gar eine Eigenwerbung - die Anthologie "Deutschland in 30 Jahren" erschien 2...

Aufgespießt: Wie darf man sich Deutschland in 30 Jahren vorstellen?

Die Invasion der Nashörner


Mal eine Randnotiz, gar eine Eigenwerbung - die Anthologie "Deutschland in 30 Jahren" erschien 2004 als Ernte eines literarischen Schreibwettbewerbs - ein Kurzgeschichten-Band, der satirische, bitterböse, prophetische Sichtweisen, wohlmeinende oder visionäre Meinungen von unterschiedlichsten Autoren zusammenfasste. Staatliche Kontrolle, der gläserne Staat, Meinungsfreiheit oder Schutz der Privatsphäre waren u.a. die Themen, die sie bewegten. Veraltet ist die Fragestellung  keineswegs: Wie muss man sich unser Land in jetzt nur 20 Jahren, also im Jahr 2034 vorstellen?

Damals in den "Naughties" .. und heute..?

Haben sich in der Zeitspanne der 10 Jahre, die seit Erscheinen zurückliegen, vielleicht schon einige der Prognosen bewahrheitet oder ins Gegenteil verkehrt? Natürlich waren sie nicht zuletzt der literarischen Fantasie geschuldet, weniger dem realen Zukunftserwarten. Dennoch spiegelt sich die Befindlichkeit einer Reihe von Autoren zu einem Zeitpunkt wieder, als die erste Finanzkrise der Nuller-Jahre gerade mal überstanden war und die zweite bevorstand.

Die rasende Technisierung des Lebens war in vollem Gange, der Terror kam in Europa an, Merkel und Obama betraten die politische Weltbühne, Tsunamis und Hurricans, Anschläge, der Benzinpreis, die Einführung des (T)Euro und dessen Krise  2010 - 2012 hielten uns in Schach. Es gab allerdings auch das "deutsche Sommermärchen 2006". Die "Naughties" (wie die Briten die Nuller-Jahre nennen, also die Bösen) werden in ihren wichtigsten Ereignissen in einer Fotostrecke der ZEIT festgehalten. 

Beide - Print und Fotostrecke - sind es wert, einen Blick darauf zu werfen und ein ganz persönliches Resümee zu ziehen!

Mit meinem Beitrag "Das erste Jahr" habe ich damals eine Situation imaginiert, in der in einem gar nicht so fernen Land und in einer nahen Zukunft neo-liberale Nashörner rasend schnell in die Überzahl geraten, aus den Zoologischen Gärten ausbrechen und nicht weniger aggressiv das öffentliche Leben und letztlich auch das private der Bewohner an sich reißen. Damals kannte man noch nix von NSA, wenig von Facebook- und Google-Übergrifflichkeiten, wir glaubten noch an die heile Welt von Medien, Smartphone und Internet. Allerdings standen wir unter dem Einfluss von 9/11 und der gigantischen Bankencrashs. In unserer Wahrnehmung (nur da?) war die Welt amorph geworden.

Zu beziehen ist "Deutschland in 30 Jahren" gegen kleines Geld (Taschenbuch - 300 Seiten) hier. Nachgedruckt wird der kurzweilige Band z.Zt. nicht. Meine Story erscheint nächstens in einem eBook zusammen mit anderen Mikrostories. Info folgt.