Sonntag, 31. Mai 2015

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1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsthema: "Die Schwierigen" oder von der Not ...: Die Schwierigen oder Wie positioniere ich mich als Kreativwirtschaftlerin? Das Magazin "Brand Eins" w...

Sonntagsthema: "Die Schwierigen" oder von der Not sich zu positionieren




Die Schwierigen oder Wie positioniere ich mich als Kreativwirtschaftlerin?


Das Magazin "Brand Eins" widmet sich in seiner aktuellen Ausgabe den „Schwierigen, den unangepassten Kreativen“. Bereits vor 10 Jahren nahm sich das Magazin in der Juli-Ausgabe der Frage an, wie eine eher an Handarbeit orientierte Gesellschaft, in der der Anteil der Industrie am Bruttosozialprodukt aber immer weiter schrumpft, mit ihren Vorbehalten und Ressentiments gegenüber der Kreativwirtschaft umgehen sollte. Das Klischee hieß: Handarbeit ist ehrlich und respektabel, Kopfarbeit unberechenbar und wenn sie allzu kreativ daherkommt auch dubios. 

Heute zweifelt kein Volkswirtschaftler mehr daran, dass der Ideen- und Kreativwirtschaft bereits die Gegenwart und mehr noch die Zukunft gehören. Warum begegnen Intellektuelle und Kreative immer noch dem Stigma des Unpraktischen, Unbotmäßigen, Unzweckmäßigen, Unerwünschten, nicht ganz Ernstzunehmenden ? 



Liegt es vielleicht an der Positionierung?


Nach 21 Jahren Selbstständigkeit stellte ich mich vielleicht zum ersten Mal wirklich der Problematik der Positionierung. Es lief ja bisher ganz ordentlich, mein „Bauchladen“ an Angeboten ist stattlich – vom SEO-Text zum Ghostwriting, vom Slogan zum Sachbuch, von der Website zum Flyer, von der Rede zum eBook, von der Beratung zum Texttuning, vom Unternehmensprofil zum Storyboard, von der Reisestory zum Feature - Die Klaviatur der journalistischen, Web- und PR-Formate kann ich locker bedienen. Textuell, werblich, redaktionell, narrativ, emotional, sachbezogen, unterhaltsam und ironisch, länger oder kürzer, mit weniger oder mehr Wörtern.

Soweit so gut. Was machte mich aber zunehmend unzufrieden und – tja, ich sag es ungern – mürrischer? Wie eine übersatte Maus, die zu viel am Speck naschte und nun Mühe hat, vor der Katze davonzulaufen?

Ist weniger wirklich immer mehr?


Es war Überfluss in all dem, was ich in über 25 Jahren Berufstätigkeit erworben hatte. Hatte es mit einem bodenständigen PR-Business für mittlere bis große Unternehmen angefangen, drohte der prall gefüllte Bauchladen nun in Beliebigkeit umzukippen. Zumindest gefühlt. Denn: Wer jeden bedient, erreicht keinen wirklich, heißt es.  Grübel ..

Das ist an sich nicht neu. Aber neu für mich war das Unbehagen, das sich einschlich, als ich mich – nach den 12 goldenen Regeln eines Unternehmensberaters – bemühte, die Spreu vom Weizen zu trennen. Was sind meine einzigartigen (!) Stärken, was ist Pflicht, was Kür, was wird oft nachgefragt und was ist eher ein „Orchideenfach“, was wird aufwands- und leistungsgerecht honoriert, wo zahle ich drauf, wo sitzen meine Zielgruppen zu denen mein Angebot passt, bei welchen Schwerpunktthemen habe ich den größten Know-how-Fundus, wem kann ich den meisten Nutzen bieten? 

Endlich erreichte ich auch den Casus knaxus: Was lässt mich innerlich strahlen


Das vielbemühte Alleinstellungsmerkmal und die Suche nach den Wunschkind - ääh .. dem Wunschkunden 


Beide sind uns lieb und teuer, beide können schon mal nerven.;-) Mindestens drei scharf umrissene und intelligent aufeinander bezogene Alleinstellungsmerkmale sollte man haben, sagt der Unternehmensberater, um sich aus dem Nirwana der Vergleichbarkeit hervorzuheben. Eine präzise Nische voller Wunschkundenbedürfnisse sollte man finden. Das one-and-only-Thema definieren (hat was von der Suche nach Mr. Right;-)) Qualitäten herausarbeiten, die nur auf mich zuträfen!

Gar nicht so einfach in einer überfluteten Kommunikationswelt. Aber als Fachartikel-Texter für Zooartikel mit Fokus auf seltenen Reptilien sehe ich mich nicht. Auch nicht als Spezialistin für textile Wurstwaren oder als der ultimative Textprofi für Anglerbedarf, Knöpfehersteller, Gartenschläuche und Lakritzköche (doch, letzteres vielleicht schon!), Koi-Karpfen-Halter, Nerzzüchter, Containervermieter oder Dampfkesselverschluss-Maschinendesigner. 

 

Alles honorige Geschäftsbereiche – aber sich und seine Kreativität derartig einzuengen, missfällt mir. Bin ich dafür einfach zu neugierig, offen und aufnahmebereit für alles, was sich mir Neues in den Weg stellt? – Routine macht mich kurzatmig und kontrollierte Einengung ist des Teufels. Monotonie legt hinterhältige Fallstricke und an den unsichtbaren Glaswänden von Business-as-usual holen Kreative  sich blutige Nasen.

Die Kreativen sind eben doch die „Schwierigen“ – 

die nachfragen, bohren, hinterfragen, alles in Frage stellen, aus dem Rahmen fallen und gleichzeitig auch wieder alles in einem Kontext zusammenbringen. Die keine Topfpflanzen im Büro haben, aber auch keine festen Arbeitszeiten, die sprunghaft sein können, aber auf diesen Sprüngen immer ein Stück weiter kommen, die schon mal nerven, aber auch Freudentänze provozieren wenn ihre Ideen Gestalt annehmen. Wenn man sie denn auch lässt ..

Was sagt Hans Eysenck dazu?


"Brand Eins" berichtete bereits 2005 von einem Experiment, dem sogenannte Praktiker und Kreative unterzogen wurden. Es sollte den Grad an Störbarkeit durch Hintergrundgeräusche messen, während beide Gruppen einer relativ tumben Tätigkeit nachgingen. Während die erste Gruppe sich von nichts beeinträchtigen ließ und ihre Aufgabe stoisch abarbeitete, versagten die Kreativen auf ganzer Linie. 

Das Fazit der Hirnforscher war sinngemäß so: Kreative sind deswegen kreativ, weil ihr Gehirn auf Sinnenreize aller Art höchst offen und freudig reagiert, während in den durchschnittlicheren Oberstübchen der Praktiker die sog. „latente Hemmung“ Reize von außen abblockt. Kreative brauchen äußerste Konzentration, um zu Höchstleistung aufzufahren. Einflüsse von außen sind für sie wie Speerspitzen. An den eher praktisch veranlagten Menschen rüttelt Neues und von außen Eindringendes vergeblich. Daher eignen sie sich fabelhaft dazu, relativ stereotype Arbeitsgänge perfekt abzuwickeln. 

In den Denkorganen von kreativ Veranlagten ist dieser Hemmungs-Mechanismus äußerst gering entwickelt, daher saugt das Gehirn rund um die Uhr zu 360 Grad alle Impulse auf, die ihm begegnen. Diese dezidierte Meinung hat bereits in den Siebziger Jahren Hans Eysenck vertreten. Der deutschstämmige Psychologe (1916 bis 1997) war die Kapazität (nicht nur) seiner Zeit in der Forschung zu den Unterschieden von menschlicher Intelligenz und Persönlichkeit.


Das war der Punkt, wo der Frosch ins Wasser sprang!


Ich erkannte: Mein Alleinstellungsmerkmal? Das bin ich – so wie ich nun mal bin. Das Produkt von Genen, frühen Prägungen, Erfahrungen, Intuition, Entwicklung, Reflexion, Konfrontation mit dem Leben und aller Art von Beziehungen. Meine immense, in 25 Jahren organisch gewachsene Bandbreite und die Vielseitigkeit in Textformat, Thema, Herkommen sind mein ganz persönlicher USP. 

Soll heißen:

Der Journalismus befähigt mich, recherchestark und analytisch vorzugehen. Der ausgeprägte PR-Hintergrund (Lobbying, Strategieberatung, Veranstaltung, Presse, Sponsoring, Public Affairs) lässt mich Botschaften und Informationen ziel- und zielgruppenorientiert aufbereiten, mit der nötigen Verve versehen und in die richtigen Kanäle leiten. Konzept & Strategie sind das unabdingbare Rüstzeug für alles Handeln. Für das Web zu schreiben bedeutet Funktionalität und Gesetzmäßigkeit. Das narrative Schreiben stärkt meinen bildhaften Stil und bringt die Emotionalität dazu. Das szenische Schreiben die dramaturgische Kraft. Das Lektorat lehrte mich, Logik und Stringenz in Texte zu bringen, die diese entbehrten. Ghostwriting in eine fremde Stimme zu schlüpfen. Texttuning einen unzureichenden in einen Klasse-Text umzuwandeln.  


Und ich erkannte: Das isses! Das findet sich so leicht kein zweites Mal in der Branche.


Aber wie kann ich das alles in die richtige Form gießen? Schreiben ist mein Nabel, um den sich alles dreht. Aussortieren sollte ich das, was keine Zuckungen in meinem Innern verursacht. Loslassen kann allerdings schmerzhaft sein. Und erfordert Mut. Und man muss es vielleicht erklären. Faule Kompromisse tun aber auch weh, früher oder später.

Mein Herz-Thema ist klar. Als passionierter Genussmensch sind alle sinnlichen Wahrnehmungen (was gut schmeckt, schön aussieht, sich gut anfühlt, fein duftet, sinnvoll und wertig ist, die Welt ein Stückweit verändert und unseren Planeten erhält) mein Ding. Kulinarik, Essen, Trinken, erfüllt und erfüllend Leben in allen Facetten. Und das liegt in der Luft, ohne es auszusprechen. Picasso suchte nicht, sondern fand. Man muss kein Genie sein, um sich diesen Grundsatz anzueignen.

Ist mein USP also doch mein kreativer "Bauchladen"? Hmmh, darüber muss ich wohl doch noch mal nachdenken.

Sigrid Jo Gruner  unterstützt als "MissWord! (www.missword.de) Redaktionsbüro für strategische Kommunikation" Unternehmen und Selbstständige bei ihrer Positionierung und Unternehmenskommunikation. Schwerpunkte: Strategische Beratung, Konzeption & Redaktion, PR- & Magazintext, Web-Content, E-Book & Corporate Book. Und 24-jährige Erfahrung.

Schwerpunktthemen: Alles was gut schmeckt, schön aussieht, sinnvoll ist & glücklich macht. Gesellschaftspolitische und Zeitthemen, komplexes B2B, Food, Travel, LifeBalance, Branding, Persönlichkeitsentwicklung.


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Montag, 18. Mai 2015

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Aufgespießt: Warum heißt der Tante Emma-Laden nich...

Aufgespießt: Warum heißt der Tante Emma-Laden nich...: Und wie funktioniert personalisiertes Einkaufen ? (Teil I) Von 17.000 Internetnutzern zwischen 18 und 64 aus 17 Natione...

1a-Grenadas - auf www.missword.de: Sonntagsthema: Das erotische Vorspiel beim Kaufen ...

Miss Word! Montagsthema: Das erotische Vorspiel beim Kaufen ...: Was können sich B2C-Online Shops (und auch B2B) von Tante Emma abgucken? Teil I hat ein wenig mit Zahlen jongliert und dann einen nosta...

Sonntag, 17. Mai 2015

Sonntagsthema: Das erotische Vorspiel beim Kaufen (Teil II)

Was können sich B2C-Online Shops (und auch B2B) von Tante Emma abgucken?


Teil I hat ein wenig mit Zahlen jongliert und dann einen nostalgischen Blick auf die traditionellen Tante-Emma-Läden geworfen. Für diese war personalisiertes Einkaufen ein Fremdwort, aber persönlich ging es allemal zu vor und hinter der Ladentheke. 


Das digitale Schaufenster oder warum man gerade hier auf den Human Touch setzen sollte

Online Shopping wächst. Bücher, Mode, Event-Tickets, Reisen, Frischeprodukte, Luxusgüter – das sind die Trendsetter beim deutschen Online-Shopper. Kann ich nachvollziehen, obwohl sich bei mir die Sparte Luxusgüter (ohnehin nur 2% des Gesamtkuchens) in Grenzen hält. Aber was ist schon Luxus? Für die einen ein freies Wochenende, für die anderen ein Verwöhn-Chalet-Urlaub in St. Moritz.

Es gibt schlechterdings nichts was im Online-Handel nicht käuflich erwerbbar wäre. Macaraons, die mit weißen Trüffeln gefüllt sind, Pralinés mit echten Goldkrümeln, Schoßhündchen-Straßschmuck, Taubenfeder-Négligés und Erotikspielzeug, pinkeingefärbte Persianerkappen, Vintage-Armbanduhren anno 1942, Schiller-Erstausgaben mit originalen Stockflecken (oder war es die Kaffeetasse des Meisters?), Golf-Zubehör aus purem Platin, minuziös bemalte japanische Porzellanpuppen, 3-Monate-lang getrocknetes Dry aged Beef, lebende Langusten für den Kochtopf und weitgereiste Reptilien für den häuslichen Zoo oder kleine Wildkatzen als Schoßtierchen .. 60 Jahre alter Single Malt ist da eher eine Petitesse. Ach, was für eine schöne Warenwelt! ;-)

Personalisiertes Kaufen im Webshop

Und mit den Branchen sind die digitalen Möglichkeiten gewachsen, die Klicks und Visits der geschätzten Kundschaft auszuwerten und über kluge Systeme in Kundengewinnungs- und Kundenbindungsprogramme umzuwandeln. Aber nicht Jedermann schätzt es, wenn bei seinem Weg durch die digitalen Warenlandschaften ungewünschte Werbeimpulse hochpoppen, die sich auf vergangene Recherche-Raubzüge beziehen und ihm recht aufdringlich klar machen, welche Produktwünsche er sich befriedigen sollte. Wenn ihm unaufgefordert wohlmeinende, auf der realen Klickhistorie basierende vorsortierte Vorschläge aus dem Webshop-Sortiment gemacht werden, die gerade für ihn wie geschaffen seien.

Der eine mag sich gepampert fühlen, der andere verfolgt. Wo bleibt der individuelle Entscheidungsspielraum? Treten digitale Manipulation und Suggestion an die Stelle von persönlicher Kundenzuwendung? Aber wer es einmal durchschaut hat, sucht das Weite. Mehr als die Hälfte der digitalen Konsumenten sehen personalisierte Kaufangebote kritisch.

Interessiert Euch doch bitte für Eure Kunden!

Neben der technischen Komponente, mit der sich Kunden – und Interessentendaten  und ihre Vorlieben auswerten lassen, gibt es charmantere Möglichkeiten, sich dem Kunden in aller Freundschaft zu nähern. Ja genau, der gute alte, neue Content per Bild und Text, Serviceangebote, Videos, Download, Infografik, White-Paper, persönliche Zielgruppenansprache. Das mag ein wenig Old School klingen und wurde durch Content-Marketing-Propheten ja hinlänglich heruntergebetet. Aber es bleibt trotzdem richtig und notwendig. Und kann grandiosen Spaß machen.

Auf diese Weise kommt man ganz unaufgeregt zu einer ganze Menge Informationen, die bei der Gestaltung der Shop-Performance und letztendlich auch der Produkte enorm weiterhelfen. Voraussetzung: Man muss ein gewisses Interesse am Kunden haben, seine Bedürfnisse und Erwartungen kennen und ihn wertschätzen. Und nicht nur als "Goldesel" sehen. Aber das ist die Grundbedingung für jedes erfolgreiche Business.

Social Media haben uns es längst vorgemacht. Marken nutzen diesen Effekt bereits, allerdings läuft hierzulande im Gegensatz zu den USA und Asien noch sehr wenig Verkauf über Social Media Accounts. Online Fachshops sind gut beraten dieses Prinzip für ihre Zwecke zu adoptieren.

Doch viele Online Shops begnügen sich in ihrer Präsentation mit dürren Produktbeschreibungen, kurzen und meist unbeholfenen Werbetexten und (nicht immer zielführendem) Bildmaterial und verzichten darauf, den User wie Alice im Wunderland auf eine vergnügliche, emotionalisierte Tour durch seine Produktwelt zu schicken. Ihm ein prickelndes Einkaufserlebnis zu verschaffen. Sie ignorieren oder unterschätzen dabei auch die sanft-subtilen Steuerungsmöglichkeiten von Text und Content. Oft liegt dieser Realitätsverweigerung der Irrglaube zugrunde, dass Menschen, die einen Kauf planen, sich rein von Fakten überzeugen lassen. 

ABER: 90% der Entscheidungen werden vom Bauchgefühl getroffen, 10% rational begründet. 

Erzählt doch bitte Geschichten, die zu Eurem Sujet passen. Greift zu Casestudies, Exkursen, Meta-Themen, bedeutsamen Infos aus dem Umfeld des Produkts, News, Ratgeberstimmen, Interview, Video, Social Media-Verlinkungen, Download, Mini-eBook, Klatsch ... alles, was den Kauf-Vorgang unterhaltender und kurzweiliger macht - ähnlich dem Capuccino und Proscecco bei Friseur oder Schneider, der Scheibe Fleischwurst beim Metzger, dem Extrabonbon bei Tante Emma. Wie der Stoß Magazine, der dem männlichen Pendant im Sessel vor der Umkleidekabine die Wartezeit und den folgenden Griff zur Kreditkarte versüßen soll. Wie der nette kleine Tratsch, der dem Verkaufsgespräch vorher geht, bevor es ernst wird.

Mit dem der zum Kunden werden soll, plaudern, scherzen, ins Gespräch kommen, ihn über interaktive Formate wie Umfrage und Feedback auf seine Seite ziehen, ihn um seine Meinung bitten und erst ganz zuletzt die Gretchenfrage stellen. Das mag für Manche jetzt langwierig klingen. Aber gerade bei erstklassigen und hochpreisigen Produkten lohnt sich die Mühe früher oder später.

Immer mal langsam mit die junge Pferde ..

Doch was passiert in der Regel? Die Ungeduld des Shop-Besitzers, den User schnellstmöglich in den Hafen der Buchung/Bestellung zu führen, dringt aus allen Bits & Bytes. Und nichts – meine lieben Shop-Betreiber – vertreibt Interessenten schneller als die unverhohlen gezeigte Verkäuferpose. Natürlich dürfen Sie verkaufen wollen, natürlich sollte der Besucher kaufen wollen – aber es ist wie beim ersten Date – beim ersten Essengehen – beim ersten Kuss – das Vorspiel erst bringt Erotik ins Spiel. Das dritte Rendez-vous, sagt die Heldin Allie McBeal in der gleichnamigen US-Serie, ist das entscheidende. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Aber niemals vorher. Gut, die Serie ist aus den 80er Jahren und daher auch etwas angestaubt. Aber manche Dinge ändern sich nie.

Alles wird gut. Denn das muss man natüüürlich nicht alles alleine können!

Wie Web-Shops Glamour bekommen und für Kunden attraktiver werden, verrät der Profi für Web-Content, Blog, ePaper, e-Book, Pressearbeit, Social Media. Wenn man das alles gleichzeitig in einer Person bekommt, sollte man rasch zugreifen.

Samstag, 16. Mai 2015

Aufgespießt: Warum heißt der Tante Emma-Laden nicht Tante Olga?



Und wie funktioniert personalisiertes Einkaufen ? (Teil I)


Von 17.000 Internetnutzern zwischen 18 und 64 aus 17 Nationen, die für eine im April 15 erschienene DigitasLBi-Studie befragt wurden, gaben 62% an, dass sie sich ein personalisiertes Einkaufserlebnis wünschen. Bei 65% sind ausgewiesene Empfehlungen der entscheidende Kaufimpuls. Persönlich angesprochen zu werden, regt offenbar dazu an mehr zu kaufen (als man will). Schön und gut. Das erstaunt nicht.

Aber eine fast zeitgleiche Studie von Fittkau & Maaß stellt fest, dass 41 Prozent der deutschen Online-Shopper digitale Datenauswertung mittels Einkaufs- und Klickhistorie durch ein lernfähiges digitales System zum Zwecke der Kundenbindung ablehnen und sich dem dadurch möglichen "personalisierten Einkaufen" entziehen. Ja, wat denn nu?  Grübel, grübel  - War da nicht noch was ?

Wie wird online gekauft?

Die meisten Kaufentscheidungen fallen am heimischen Standgerät oder Laptop. Über Website und Social Media wird auch die Vorauswahl getroffen, wenn man vorhat, einen stationären Shop aufzusuchen (Im Internet auffindbar zu sein ist vor diesem Hintergrund also eine höchst empfehlenswerte Überlegung). Das heißt, der stationäre Einzelhandel profitiert von online vor-informierten Kunden, aber auch der Online-Handel greift neue Kunden ab, die sich nach Sichtung des Webauftritts den Weg in das Geschäft sparen  und direkt zuschlagen.

Während in den USA bereits 44 Prozent per Smartphone online shoppen, sind es hierzulande nur knapp 28 Prozent. 52 der Facebook-Nutzer lassen sich von Social-Media Beiträgen dazu verführen, tiefer in die Tasche zu greifen. Direktes Social-Shopping läuft gut in den USA und in Asien, ist in Europa offenbar noch nicht gesellschaftsfähig.

Aber was um aller Heiligen willen ist nun der Königsweg zum personalisierten Online Shoppen? Vielleicht hilft ja ein Blick in die gar nicht so weit zurückliegende Vergangenheit des Einkaufens.

Adé ihr allerliebsten Tante-Emma-Läden! 

Die U-30-Generation kennt sie vermutlich gar nicht – die Tante-Emma-Läden, die wohlsortierten, in Dunstschwaden aus Essig, Kakao und Bohnerwachs eingehüllten Krämerläden traditioneller Prägung. Die meisten von ihnen, sehr wenige überlebten, starben aus nach dem flächendeckenden Wuchern der Supermärkte und Einkaufsmalls, das ab den Siebziger Jahren systematisch Grünflächen verwüstete. In den deckenhohen Holzregalen der Kolonialwarenläden, in abgrundtiefen Fässern, Glasbottichen und Schüben kullerten noch offen und unverpackt Bleistifte, Kaugummis und Bonbons, Knöpfe, Nudeln, Kaffeebohnen, Haferflocken, Suppenwürfel, Pfefferkörner, Erbsen und Linsen.

Ein Deka Aufschnitt war normal, und der dienstbare Geist hinter dem Tresen fand immer Zeit für einen kleinen Schwatz. Stammgäste wurden intuitiv bedient, man kannte sich, man schätzte sich. Rabattmarken gab es genauso wie schon mal angekreidet wurde, Vertrauen gegen Vertrauen. Gratiszugaben, ein Bonbontütchen für das Kleinkind an der Hand der einkaufenden Mutter, eine Kostprobe oder eine Extra-Scheibe Schinken waren selbstverständlich geleistete Kundenbindungsrituale. Kalte Platten für die häusliche Feier bestellte man bei Tante Emma, auch Extrawürste .. ääh -wünsche wurden gerne befriedigt. 

Was durch die abstrusen außerörtlichen Handelsareale verloren gegangen war, begriffen die Verbraucher erst als viele Immigranten innerstädtische, orientalisch und mediterran angehauchte Einzelhandelsgeschäfte eröffneten, die man augenzwinkernd „Onkel-Mehmet-Läden“ nannte. L'arabe du coin - im Französischen. Ab der Jahrtausendwende wehte ein Hauch der Renaissance „Tante Emmas Enkel“ durch die Städte.

Exkurs:
Warum eigentlich Emma? Zur Hoch-Zeit der Kolonialwarenhändler – als diese durch aus den Kolonien importierte, vorher unbekannte Waren, Gewürze, Spezereien, Leckereien zu unerwartetem Wohlstand kamen - standen in großbürgerlichen Gegenden die Dienstmädchen der herrschaftlichen Häuser vor der Ladentheke. Und diese wurden grundsätzlich Emma oder Minna gerufen, auch wenn in ihrer Geburtsurkunde Charlotte, Franziska oder Mathilde stand. Genauso hartnäckig hielt sich Johann für den Diener, im Angelsächsischen ist es der James, im Französischen Jean und im Rheinischen der „Schlappenschammes“.

Diese Art einzukaufen hatte etwas zutiefst Persönliches, Anheimelndes, wie es im heutigen Supermarkt nicht wiederholbar ist. Auch wenn die Giganten der Branche sich in Werbung und Kundenansprache um eine Personalisierung bemühen. 

Aber reicht es aus, immer wieder zu beteuern, dass man „Lebensmittel liebe“?


Teil II  "Das erotische Vorspiel beim Kaufvorgang" folgt morgen!


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