Mittwoch, 13. Dezember 2017

Mittwochsthema: Serie: Wie flutscht das eigentlich zwischen Unternehmen und Kreativen? Folge 6: Beeftea

Was gehört dazu, damit Unternehmen und Dienstleister optimal matchen?


Heute schon einen Löffel Beeftea genascht?


Beeftea nennen die Briten eine besonders kräftige, gehalt- und geschmackvolle Fleischbrühe, quasi die Substanz vom Besten des Rinds. Was dies mit unserer Fragestellung zu tun hat, sagen Sie sich? - Eine Menge. Urteilen Sie selbst:



Branding macht den Unterschied.

Branding. Mehr Sinn. Mehr Gehalt. Mehr Würze.


Goethe forderte "Mehr Licht" zum Ende seines Lebens. Aber das ist wieder eine andere Geschichte - und auch wieder nicht. Was macht Unternehmen eigentlich wirklich interessant für Kunden? Und wie finden das Kreative, die mit ihnen zusammenarbeiten? 

Wir erleben eine Zeit, in der die zunehmende Digitalisierung und Schnellläufigkeit der Ereignisse von uns eine hohe Bereitschaft zu Geschwindigkeit fordert. Wie im Sitz einer Concorde sehen wir alles an uns vorbeiflitzen. Auch die Konsum- und Businesswelt hat dies flugs erfasst: Verbraucher sind längst darauf trainiert, zu vergleichen, knallhart auszusortieren und zu bewerten, was ihnen wichtig scheint, zu empfehlen oder zu liken und zu teilen. Oder was nicht. Daumen hoch, Daumen runter. So fix geht das. 

Marken blieben davon nicht unberührt. Sie können heute ihre Interessenten nur dann bei Laune und auf Linie halten, wenn diese sich mit ihrer Philosophie, Haltung, Einstellung, Performance identifizieren können. Kunden fragen immer gnadenloser: Warum soll ich gerade bei dir andocken? Was hast du zu bieten - über ein gutes Produkt, eine hochwertige Dienstleistung hinaus? Branding entsteht nicht mehr durch Bemühen, sondern durch Vorleben. Und sehr gute Antworten auf die Konsumenten-Frage: Was soll das Ganze eigentlich?

Was macht Größe wirklich groß?


Und dies nicht in pekuniärer Weise. Je gehaltvoller eine Brühe, desto besser das Gericht, das mit diesem Fleischfond gelingen soll. Verhält es sich mit Kreativ-Dienstleistern ähnlich? Sind Agenturen mit vielköpfigem Team leistungsfähiger als spezialisierte Solisten mit einem breit gesteckten und potenten Netzwerk an differenzierten Experten? Oder steckt der "Beeftea" nicht eher in einem hochengagierten, erfahrenen Profi, der mit allen Wässerchen gewaschen ist? Bei dem der Kunde stets Chefsache ist und der für jeden Bedarf auf Kooperationspartner zugreifen kann, die er dem jeweiligen Projekt anpasst und  die er zentral koordiniert? 

Warum ist Größe schön? 

Sind wir durch die digitale Welt schon so "entgrenzt", dass Big Thinking das Motto für schlechterdings alle Lebensbereiche ist? Minimalismus scheint obsolet zu sein, der Anspruch auf Größe verfolgt uns bis in die Privatheit. Dabei macht kaum etwas glücklicher als ein begrenzter, räumlich gut fassbarer und SIcherheit verheißender Mikrokosmos - sollte man meinen. Warum sind die Dänen so glücklich mit ihrer Nation? In einem von zwei Seiten vom Meer begrenzten Land mit nur zwei Außengrenzen kann Hyggeligkeit leichter aufkommen als in einem Flächenland in europäischer Mittellage wie Deutschland, das von allen Seiten von Nachbarstaaten "bedroht" wird und eine durch ein weitreichendes Verkehrsnetz begünstigte Schleuse für Durchgangsverkehr aus allen Himmelsrichtungen darstellt.

Ähnlich verhält es sich auch bei Dienstleister-Agenturen - aus meiner Erfahrung. Je größer, desto unübersichtlicher, anfälliger für Ineffizienz. Nicht zu letzt auch desto aufgeblähter. Klingt jetzt harsch? Stimmt. In weltumspannenden internationalen Agenturen habe ich es erlebt, dass für Ausschreibungen und Pitches die besten Promoter der Standorte zusammengeholt wurden. Bei der Präsentation entzündeten sie ein grandioses, schwindelerregendes Feuerwerk an Ideen und Selbstdarstellung, so dass den geblendeten Interessenten gar nichts anderes übrig blieb als Akklamation. 

Nur - bei der Präsentation bleibt's ja nicht. Konzeptionen, die gut klingen, erweisen sich in der täglichen Umsetzung nicht selten als schwerfällige Schildkröten - und dies nicht zuletzt deswegen, weil die umsetzenden Teammitglieder vor Ort nicht mehr viel gemein haben mit den eingeflogenen Premium-Promotern, die den Pitch gewonnen und den Auftrag ans Land geholt hatten. Oder weil die Koordinierung schwächelt, die Zuständigkeiten schwanken, zu viele Köche den Brei verderben, die selbstverliebten Egomanen nach vorne drängen. Doch gerade sie sind nicht wirklich lustig auf die Tagesarbeit, die Ausdauer, Energie, Chuzpe, Durchsetzungsvermögen, Disziplin und Standing verlangt - Eigenschaften, die nicht oft vorkommen bei Top-Promotern, denen die Show wichtiger sein mag als Argument & Vision. 

Dann kann auch nicht die gute, alte Maggi-Flasche nichts mehr ausrichten - die Fleischbrühe schmeckt matt.



Würze durch Markenbildung

Verachtet mir die deutschen Solisten nicht!


Ist das ein verballhorntes Zitat aus den "Meistersingern von Nürnberg"?

Einzelunternehmer identifizieren sich in der Regel mit ihrem Business - sie leben für sein Gedeihen. Sie finden Sinn in dem was sie tun. Sie lieben was sie tun (meist) und fühlen sich persönlich gefordert, das Beste daraus zu machen. Als Multi-Funktionäre bedienen sie alle Klaviere: Marketing/Akquise, Tagesgeschäft, Kundenpflege, Kommunikation, Projektumsetzung, Konzeption und Strategie, Eigen-PR, Positionierung, Organisation und Steuer- und Finanzwesen, um nur die wichtigsten zu nennen. Auch die Standortfrage, Technik und Administration, Kalkulation, Pricing, Rechnungslegung liegen in ihrer Hand. Sie schreiben ihren Blogartikel und ihre Newsletter selbst und frankieren auch mal das Post-Mailing (na gut, dafür gibt es Lettershops!) persönlich.

Das klingt viel und ist es auch. Es kann nerven, wenn man öde Orga machen muss statt kreative Konzepte zu bauen. Aber ohne Unterbau kein Abheben in kreative Höhensphären. Natürlich ziehen gut vernetzte Solisten externe Profi-Dienstleiter zur Unterstützung heran. Diese mindern den Ertrag, aber der Wert der eigenen Arbeit sollte nicht zu gering geschätzt werden. Manchmal, besser: meist ist es rentabler, Spezialaufgaben nach außen zu delegieren, als seine kostbare Arbeitskraft selbst für untergeordnete Aufgaben zu vergeuden oder für Spezialkenntnisse, die man sich erst erwerben muss. Früher war die Kommunikationswelt noch überschaubarer, Agenturen rühmten sich eines Full-Services. Heute fordert die Vernetzung von analogem und digitalem Instrumentarium eine Menge von uns ab. Den Über- und Durchblick sollte man haben, doch richtig gut wird man in seinen ureigenen Spielfeldern. Zugespitzte Angebote nutzen den Klienten. *

Bei allem spielen Gagen, Honorare, Budgets, Etats natürlich auch bei Solisten eine vitale Rolle - das will ja keiner bestreiten. Doch im Gegensatz zu mittleren und großen Agenturunits, die von angestellten Geschäftsführern gesteuert werden zum Zwecke der Gewinnmaximierung, Kostendeckung, Personalauslastung, kalkuliert der Einzelunternehmer nur seine eigene Arbeitsleistung (und ggfs. die Fremdkosten durch externe Kooperationspartner). Dass es für den Klienten überschaubar und transparent bleibt, liegt auch in seinem Interesse. Bestandspflege ist ihm wichtiger als zeitraubende Neukundengewinnung - er wird meist über Empfehlung und Referenz fündig oder spricht seine Wunschkunden selbst an.

Fazit:
Business-Solisten sind gut beraten, sich mit verschiedenen und unterschiedlichen Persönlichkeiten auszustatten, sie müssen Visionäre und Realisten gleichzeitig sein und immer den Finger am Abzug. Das ist nicht jedem gelegen:-)

Ach, ein weites Feld, über das man noch trefflich diskutieren könnte. Falls Sie darüber reden wollen, wäre ein Erstgespräch zu buchen der Anfang (45 Minuten gehen auf mich).

*Dazu mehr in der Folge 7: "Auf den Punkt gegart!" Demnächst .. 


Bildnachweis:
Spezereihandlung, Pixabay Stux
Fleischbrühe-Dosen, Pixabay Pixelia







MissWord! DasAlter Ego-

Sigrid Jo Gruner  unterstützt als "MissWord! Manufaktur für das wirksame Wort" Unternehmen und Selbstständige bei ihrer Positionierung und Unternehmenskommunikation. Schwerpunkte: Strategische Beratung, Personal Branding, Konzeption & Redaktion, PR- & Magazintext, Web-Content, E-Book, Sachbuch & Corporate Book. Und 24-jährige Erfahrung.




Schwerpunktthemen: Alles was gut schmeckt, schön aussieht, sinnvoll ist & glücklich macht. Gesellschaftspolitische und Zeitthemen, komplexes B2B, Food, Travel, Living, LifeBalance, Branding, Persönlichkeitsentwicklung, Businessthemen, Modernes Leben.